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Kulturpresseschau / Archiv | Beitrag vom 22.09.2015

Aus den FeuilletonsDeutsche Waffenexporte im Abendprogramm

Von Tobias Wenzel

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Udo Wachtveitl (l.) und Heiner Lauterbach im Film als deutsche Waffenhändler in dem Film "Meister des Todes" von Daniel Harrich. ( SWR / Diwa Film)
Udo Wachtveitl (l.) und Heiner Lauterbach im Film als deutsche Waffenhändler in dem Film "Meister des Todes" von Daniel Harrich. ( SWR / Diwa Film)

Der Thriller "Meister des Todes" behandelt im Spielfilmformat Deutschlands Waffenexporte. Während die "taz" den Film abwatscht, wundert sich Regisseur Daniel Harrich in der "SZ" über die Reaktion der Parlamentarier, denen er den Film vorab gezeigt hat.

"Besonders gewitzt oder ästhetisch einprägsam ist das nicht",

schreibt Rainer Moritz mit Blick auf die politischen Seiten im Buch "Vonne Endlichkeit", dem posthum erschienenen Band mit Zeichnungen, Prosatexten und Gedichten von Günter Grass. "Vonne Endlichkeit" ist zwar schon vor einem Monat erschienen. Aber dem Feuilleton der NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG war das Streben nach Aktualität schon immer fremd, was verstörend wirkt, allerdings auch sehr sympathisch. Und warum nicht verspätet die neuen Worte des Kritikers zitieren:

"Wenn man das Kanzlerin Angela Merkel zugedachte, ungemein schlichte Gedicht 'Mutti' liest, wünscht man sich, dass ein guter Geist Grass diese Veröffentlichung ausgeredet hätte."

Rainer Moritz zitiert zwei Verse:

"Rundum ist sie gefangen von Interessen,
die eingeschworen lauern auf Profit".

ARD zeigt Film über deutsche Waffenexporte

Das würde der Autor und Regisseur Daniel Harrich wohl unterschreiben. Er hat nämlich im Bundestag vorab "Meister des Todes" gezeigt, seinen auf einer wahren Geschichte fußenden Spielfilm über illegale deutsche Waffenlieferungen nach Mexiko.

"Da hat keiner in Frage gestellt, ob das stimmt, was wir erzählen", hat Harrich nun Karoline Meta Beisel von der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG schockiert die Reaktion der Parlamentarier beschrieben.

"Der Tenor war eher: Wir wissen, dass es genau so läuft."

"In Deutschland muss man nur an den richtigen Strippen ziehen, und in Mexiko werden Konflikte auf die bekannte Art und Weise gelöst – mit einer Kugel."

So fasst Michael Hanfeld in der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG die Aussage des Spielfilms zusammen, der, gefolgt von einer Dokumentation zum selben Thema, an diesem Mittwochabend im Ersten läuft. Das Fazit des Kritikers:

"Diesen Film sollte man auf keinen Fall verpassen."

Und das trotz der laut Hanfeld "etwas sperrige(n) Texte", mit denen die Schauspieler hätten klarkommen müssen. Für Jens Müller von der TAZ sind die Texte allerdings "dick aufgetragene Plattitüden-Prosa". Und zack: abgewatscht.

Kritik an einem Reformpädagogen

Wie eine Ohrfeige dürfte Hartmut von Hentig den Artikel zu seinem 90. Geburtstag empfinden, den die SZ abdruckt. Jürgen Oelkers, emeritierter Erziehungswissenschaftler und Autor dieses ungewöhnlichen Geburtstagsbeitrags, hat offensichtlich sehr mit sich gerungen:

"Wie  soll man einen großen Reformpädagogen würdigen, der den sexuellen Missbrauch von Schülern nicht verurteilt?"

Oelkers erinnert daran, dass Hentig seinen Freund Gerold Becker, den ehemaligen und mittlerweile verstorbenen Leiter der Odenwaldschule in Hessen, bis zuletzt verteidigt hat. Oelkers bezeichnet Becker als einen "der schlimmsten Kinderschänder der Nachkriegszeit". Der als herausragend geltende Pädagoge Hartmut von Hentig habe versucht, Becker als Opfer darzustellen, "das von den Kindern verführt worden sei". Damit habe Hentig seinen eigenen Sturz besiegelt.

"Es wird kein Comeback dieser Reformpädagogik geben, wenigstens nicht verbunden mit dem Namen Hartmut von Hentig", schreibt Oelkers weiter in der SZ und endet mit den Worten:

"Das ist im Sinne der Antike wohl nicht wirklich 'tragisch', sondern eher nur traurig, und es macht ratlos."

Nachruf auf eine Literaturagentin der Superklasse

Carmen Balcells war wohl nie ratlos. Jedenfalls meint man das aus Michi Strausfelds Nachruf auf die eigenwillige spanische Literaturagentin herauszulesen, die fast alle spanischsprachigen Schriftsteller von Weltrang unter Vertrag hatte.

"So suchte sie etwa Vargas Llosa 1965 in London auf und bot ihm ein monatliches Stipendium von 500 Dollar an, damit er ungestört schreiben könne",

berichtet Michi Strausfeld in der WELT über die unkonventionelle Art der "Mama Grande" der Literaturagentinnen. Die Autoren hätten Carmen Balcells geliebt.

"Aber auf die Frage von García Márquez, ob sie ihn denn auch liebe, antwortete sie nur: 'Du machst 40 Prozent meines Umsatzes!'" 

Der Film "Meister des Todes" mit Veronica Ferres, Herbert Knaup, Heiner Lauterbach, Axel Milberg und August Zirner läuft am 23.9.2015 um 20:15 Uhr in der ARD. 

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