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Kulturpresseschau | Beitrag vom 25.04.2019

Aus den FeuilletonsAufruhr in der Traumfabrik

Von Burkhard Ullrich-Müller

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Der Hollywood-Schriftzug in Los Angeles (Jan-Martin Altgeld)
In Hollywood streiken derzeit die Drehbuchautoren. (Jan-Martin Altgeld)

In Hollywood streiken derzeit die Drehbuchautoren, weil sie sich von ihren Agenturen nicht gut vertreten fühlen. Die Filmproduktion könnte ins Stocken geraten, warnt die "Süddeutsche Zeitung".

Was außer noch mehr Radiohören machen wir bloß, wenn der amerikanische Film- und Fernsehseriennachschub ins Stocken geraten sollte?

Das erscheint nach der Lektüre eines Artikels in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG nämlich durchaus möglich, weil sich die Gewerkschaft der Drehbuchautoren, die Writers Guild of America, gerade eine Schlacht mit den vier großen Künstleragenturen liefert. Es geht dabei um die sogenannten "Packaging Deals", die darin bestehen, dass eine Agentur nicht bloß einen Künstler gegenüber einem Produzenten vertritt, sondern dass die Agenturen "bei einer Serie oder einem Kinofilm mehrere Teile oder gleich das komplette kreative Personal eines Projekts für einen Sender oder ein Studio besetzen und die Verträge verhandeln."

Solche Pakete führen natürlich zu absurden Interessenkonflikten, weil "die Agenturen zum Beispiel einen Autor vertreten, der ein Drehbuch geschrieben hat, aber gleichzeitig auch den Regisseur, der es kaufen will."

Diese für die Agenturen recht lukrative Praxis ist also jetzt zum Ziel einer Protestkampagne geworden und angeblich haben schon die Hälfte der 15.000 Mitglieder der "Writers Guild" ihre Agenturverträge gekündigt. Die Produktionsmaschine Hollywood droht also wirklich ins Stocken zu geraten, aber einen Umstand, den der SZ-Korrespondent mit keinem Wort erwähnt, sollte man dabei vielleicht auch bedenken: von irgendwas müssen die vielen wütenden Künstler und Künstlerinnen ja leben und in den meisten Fällen sind es die Agenten und Agentinnen, denen sie ihr Einkommen verdanken.

Genderstreit im Seefahrtsmuseum

Die gendermäßige Korrektheit ist hier bewusst gewählt, denn das Presseschauer möchte nicht riskieren, von solchen Vandalen heimgesucht zu werden, wie das im Schottischen Seefahrtsmuseum südwestlich von Glasgow nun schon zweimal in diesem Jahr passiert ist. Dort haben die Täter alle weiblichen Pronomina in Bezug auf Schiffe von den Ausstellungstafeln gekratzt, weil sie es eine Zumutung finden, dass Schiffe im Englischen (wie auch bei uns) als weiblich betrachtet werden. Im Englischen ist es noch auffälliger, weil dort bei Sachen eigentlich nie ein Maskulinum oder Femininum mitschwingt.

"Die weibliche Kennzeichnung von Schiffen gehört zu den Rätseln, um die sich eine Fülle von Theorien ranken", heißt es dazu in der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG.

"Niemand weiß, ob die Verwendung von "she" der Vorstellung eines Schiffes als gebärmutterähnlichem Gefäß oder Schutzmantel gegen die Tücken des Meeres zu tun hat, ob Seemänner mit der Benennung ihrer Schiffe nach göttlichen oder sterblichen Frauen den weiblichen Geist beschwören wollten, auf den sie in den langen Monaten auf See verzichten mussten. Oder ob sie dachten, ihre Schiffe glichen dem weiblichen Geschlecht, weil sie ähnlich unberechenbar, schwer zu steuern, mühsam und teuer im Unterhalt seien sowie der Bemalung bedürften, um sie gegen Patina und Rost zu schützen."

Hoffen wir, dass die Autorin dieser launigen Zeilen nicht gleich dem nächsten Shitstorm ausgesetzt ist.
Jedenfalls hat die Leitung des Schottischen Seefahrtsmuseums die Segel gestrichen und beschlossen, bei Schiffen künftig nur noch das Neutrum zu verwenden. Die FAZ fürchtet nun, dass es nicht mehr lange dauern werde, "bis Steckverbindungen nicht mehr als männlich und weiblich bezeichnet werden dürfen, bis Schraubenmütter umbenannt und schließlich auch bei den Menschen nicht mehr zwischen männlich und weiblich unterschieden werden darf."

Pardon, FAZ: Der Plural von Schraubenmutter lautet Muttern.

Konferenz über das Kopftuch

Aus Frankfurt berichtet nicht die FAZ, sondern die WELT von einer aktuellen Kampagne gegen die Direktorin des universitären Forschungszentrums Globaler Islam, Prof. Susanne Schröter. Die Wissenschaftlerin hatte für Mai zu einer Konferenz über das islamische Kopftuch – Untertitel: "Symbol der Würde oder der Unterdrückung?" eingeladen, und zwar schön paritätisch: Necla Kelek und Alice Schwarzer auf der einen, Khola Maryam Hübsch und Dina El-Omari auf der anderen Seite. Jetzt fordert der akademische Nachwuchs unter dem Hashtag #schroeter_raus ein Berufsverbot für die Veranstalterin, weil sie – so ist das heute mit der Diskussionskultur – angeblichen Rechtspopulisten Vorschub leiste.

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