Auferstandene Terrakottakrieger, krampfige Küsse und ein Kiezklub

Die Schauspieler Jet Li, Michelle Yeoh, Brendan Fraser und Maria Bello, von links, bei der Vorstellung des Films "Die Mumie: Das Grabmal des Drachenkaisers" in Berlin. © AP
Vorgestellt von Hans-Ulrich Pönack · 06.08.2008
Im dritten Teil der Action-Reihe "Die Mumie" will ein längst verstorbener Kaiser aus dem alten China mit Hilfe seiner Terrakotta-Armee die Welt erobern. "Küss mich bitte" zeigt auf typisch französischer Art allerlei Liebesverwicklungen. Und "Sankt Pauli! Rausgehen - Warmmachen - Weghauen" porträtiert den kultigen Fußballverein und den dazugehörigen Stadtteil.
"Die Mumie: Das Grabmal des Drachenkaisers"
Deutschland/Kanada/USA 2008. Regie: Rob Cohen. Darsteller: Brendan Fraser, Maria Bello, Jet Li, John Hannah, Russell Wong, Liam Cunningham. Länge: 112 Minuten

Der 59-jährige amerikanische Regisseur, Drehbuch-Autor und Filmproduzent Rob Cohen hat mit seinem vielfach preisgekrönten Frank-Sinatra & Co.-TV-Film "The Rat Pack" von 1998 für Aufsehen gesorgt und sich danach mit "Radau-Hits" wie "The Fast and the Furios" (2001) und "xXx - Triple X" (2002; beide mit Vin Diesel) in Hollywood etabliert. Zudem schuf er auch für die deutsche Musikformation "Rammstein" das Video "Feuer frei" (2003).

Nach dem Überraschungshit des Kinosommers von 1999 mit "Die Mumie", einem Remake des gleichnamigen Horrorfilm-Klassikers von 1933 von Karl Freund mit Boris Karloff (in den USA spielte die 80 Millionen-Dollar-Produktion mehr als 155 Millionen Dollar ein; weltweit rund 413 Millionen Dollar), und dem Fortsetzungs-Hit "Die Mumie kehrt zurück " von 2001 (Produktionskosten rund 100 Millionen Dollar; weltweit um die 450 Millionen Dollar Einnahmen) steht nun also "Die Mumie 3" im Kino bereit. Der Film wurde mit einem Budget von 150-175 Millionen Dollar in Montreal, in China (in der Wüste von Tian Mo und in Shanghai) und in L.A. gedreht und besitzt nicht nur einen neuen Schauplatz, sondern zeigt auch neue Gesichter vor wie hinter der Kamera.

Der Regisseur der ersten beiden Filme, Stephen Sommers, ist jetzt als Co-Produzent mit an Bord, während Brendan Fraser wiederum den Archäologen Rick O´Connel mimt. An seiner Seite tritt nun Maria Bello ("Payback - Zahltag", 1999, neben Mel Gibson; "The Cooler - Alles auf Liebe" von und mit William H. Macy, 2003) als Evelyn "Evy" O´Connell die Nachfolge von Rachel Weisz als Ehefrau an.

Spielten die ersten beiden Filme in den Jahren 1923 bzw. 1933, so ist die Handlung nun im Jahr 1946 angesiedelt. "Evy" und Rick leben in ihrem feudalen britischen Landhaus und langweilen sich. Sohn "Alex"(ander), der ja schon im zweiten Teil als achtjähriger kräftig mitmischte, ist erwachsen geworden, sollte eigentlich studieren, betätigt sich aber viel lieber - wie sein Papa - als Archäologe.

In Shanghai trifft man aufeinander, und weil Alex gerade das Grabmal des Drachenkaisers und das seiner Terrakotta-Armee ausgebuddelt hat, winken neue, aufregende Abenteuer. Denn Anhänger dieses bösen Uralt-Herrschers wollen selbigen "zurückholen", damit er wieder die Weltherrschaft antreten und die Menschen gnadenlos unterjochen kann. Von Ägypten nach China: Das ist im Jahr der Olympischen Spiele ein kalkulierter, cleverer Schachzug zur Eroberung des auch gewaltigen chinesischen Filmmarkts.

Sonst aber sind die Unterhaltungsintentionen gleich geblieben: Die große Kino-Leinwand als permanenter Achterbahn-Rummelplatz, als aufregender wie fröhlicher Abenteuer-Jahrmarkt, mit ausgeklügelten Spezialeffekten und gigantischen Zombie- wie Flugdrachen-Motiven zum Bauklötze Staunen. Und wenn dann auch noch "gute Yetis" auftauchen, diese mystischen Schneewesen aus den Bergen des Himalaya, und helfend eingreifen, ist das Rundum-Popcorn-Kintopp im unterhaltsamen Lauf. Eine Art "Pulp-Schmöker" tut sich auf: So wie wir früher in diesen kleinen, bunten Heftchen gewühlt und die Wundertüten-Abenteuer von Akim, Tarzan & Co. bestaunt haben, so setzt sich dies heutzutage auf der rundum vollen, bunten, lärmenden Show-Leinwand-Bühne prima fort. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt...

"Küss mich bitte"
Frankreich 2007. Regie: Emmanuel Mouret. Darsteller: Virginie Ledoyen, Emmanuel Mouret, Julie Gayet, Michaël Cohen, Stefano Accorsi, Frédérique Bel, Mélanie Maudran. Länge: 100 Minuten

"Küss mich bitte" von Emmanuel Mouret, einem 37-jährigen, in Marseille geborenen Drehbuch-Autor und Regisseur, der in seinen - hierzulande weitgehend unbekannt gebliebenen - Filmen auch noch stets eine der Hauptrollen spielt. Wie sagt man so schön: So etwas kann nur vom charmanten Nachbarn herkommen, eben "typisch französisch".

Sie begegnen sich in den Straßen von Nantes. Rein zufällig: Emilie, die in der Modebranche arbeitet und auf Geschäftsreise ist, und Gabriel. Beide sind in den Dreißigern, spüren Sympathie füreinander, verabreden sich für ein Abendessen. Als Er Sie zum Abschied küssen will, zögert sie. Nicht nur, weil beide sich in glücklichen Beziehungen befinden, sondern weil es ihrerseits weitere gute Gründe gibt, dem Mann den Kuss zu verweigern. Schließlich hatte in ihrem Freundeskreis so ein Kuss bereits für dramatische Folgen gesorgt. Statt also Gabriel zu küssen, erzählt sie ihm lieber davon...

Mehr sollte man nicht berichten, sondern die Empfehlung aussprechen, sich dem hier zu widmen, sowohl mit den Augen wie auch mit den Ohren. Denn "Küss mich bitte!" erinnert an die leisen wie liebevollen Slapstick-Verbal-Eskapaden eines frühen Woody Allen und handelt von zwei Beziehungsgeschichten: Jene im Jetzt und Heute und jene im Gestern und Übergang zum Heute. Alles klar?

Ein charmanter Rede-Reigen á la francaise um Verlangen und Gefühle, um virtuose Emotionsverzwickungen; mit Virginie Ledoyen ("8 Frauen"), Julie Gayet, Michael Cohen und, natürlich, Emmanuel Mouret als kauziger Schüchterling mit Liebeshunger. "Eine neue Woody-Allen-trifft-Eric-Rohmer-Liebeskomödie", annoncierte "Variety", und in diese vergnügliche Richtung läuft es augenzwinkernd-amüsant.

"Sankt Pauli! Rausgehen - Warmmachen - Weghauen"
Deutschland 2008. Regie: Joachim Bornemann. Mitwirkende: Holger Stanislawski, André Trulsen, Klaus-Peter Bubke, Sven Brux, Roger Hasenbein, Corny Littmann, Hendrik Lüttmer, Inga Waßmuß. Länge: 90 Minuten.

Fußball und Leben gehören zusammen. Das wissen wir. Aber Fußball und FUßBALL sind oftmals zweierlei Objekte. Es gibt den "feudalen" Fußball, der mit den inzwischen prächtigen Stadien und den ständigen, grölenden Kommerz-Beschallungs-Orgien als einstudiertes "Event", und es gibt den hausgemachten, schuftenden, schwitzenden, dampfenden, eckigen, "schmutzigen", circensischen Rasen- und "Tribünen"-Fußball, der noch so richtig schön stinkt. Von wegen Schweiß, Maloche, Haudrauf-Atmo. Auf dem Rasen wie Drumherum.

So ein Fußball wird auf St. Pauli am Millerntor geboten. Wo Lack- und Turnschuh-Publikum aufeinanderprallt, wo der Punk neben dem Rechtsanwalt fiebert, wo gesellschaftlicher Starkstrom bei den "Reeperbahn"-Heimspielen des FC St. Pauli angesagt ist. Wie, warum, weshalb und überhaupt, wühlt dieser Dokumentarfilm emotional wie gedanklich spannend auf. Weil er sich der Seele des Fußballs unaufgeregt nähert, deshalb also mehr als nur ein Film für Fans des FC ist. Zusammen mit der Musik von Hamburger Bands wie "Fettes Brot" oder "Kettcar" sowie, ganz abgefahren: Urban Delights produzierte zusammen mit Bela B. einen schrägen Remix von "You never walk Alone" zur Aufstiegsfeier in die 2. Liga: Hammerhart-schön. Ein richtig gutes Stück Stimmung über Menschen und Fußball, in dieser (klugen) Reihenfolge.
Szene aus dem Film "Küss mich bitte": Julie (Virginie Ledoyen) und Nicolas (Emmanuel Mouret) wirken etwas verkrampft.
Szene aus dem Film "Küss mich bitte": Julie (Virginie Ledoyen) und Nicolas (Emmanuel Mouret) wirken etwas verkrampft.© Arsenal Filmverleih
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