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Länderreport / Archiv | Beitrag vom 01.04.2015

Auf rotem GrundEine kleine Wappenkunde

Von Claus Stephan Rehfeld

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Eine Hamburger Fahne weht im Wind (picture alliance / dpa)
Eine Hamburger Fahne weht im Wind (picture alliance / dpa)

Das Tor zur Welt, so nennt sich die Hansestadt gerne. Mit dem Tor ist der Hafen gemeint, nicht wie mancher glaubt, das Tor auf dem Hamburger Wappen. Denn das ist zu, geschlossen. Wieso, weshalb, warum? Die Kleine Wappenkunde klärt auf.

In Bremen geht der spöttische Spruch:

"Hamburg hat das Tor zur Welt, aber Bremen hat den Schlüssel dazu."

Das Tor zur Welt – nennt sich die Hansestadt gerne. Mit dem Tor ist der Hafen gemeint, nicht aber, wie mancher irrtümlich glaubt, das Tor auf dem Hamburger Wappen. Denn das ist zu, geschlossen, jedenfalls nicht auf. Jedenfalls derzeit nicht. Wieso, weshalb, warum? – Die Kleine Wappenkunde erklärt es uns.

97 Jahre brauchte es, dann fiel es den Hanseaten endlich auf. Das große Wappen im Rathaus zeigt ein geschlossenes Tor, doch das Wappen-Tor am Turm ist geöffnet. Das Tor zu einer hanseatischen Debatte steht 1984 weit offen. Historiker deuten das geschlossene Tor als Symbol der Wehrhaftigkeit der Stadt. Ein Satiriker kontert und erklärt:

"Das Tor ist zu, damit keiner die Pfeffersäcke forttragen kann. Das Wappen mit dem offenen Tor stammt wohl aus einer Zeit, in der den Bürgern der Senat gestohlen bleiben konnte."

Die Stadt mit dem offenen Tor

Hamburg im 14. Jahrhundert. Die vormals kleine sächsische Wohnanlage ist ein Handelsplatz und ein Machtfaktor geworden. Die Wikinger haben die fränkische Befestigung Hammaburg zerstört. Der Bistumssitz mit einem hölzernen Dom ist Geschichte. Hamburg schließt sich der Hanse an. Doch älter als das Bündnis ist das Wappen der Stadt: eine dreitürmige Burg auf einem Schild. Der mittlere Turm mit einem Kreuz stellt wohl den mittelalterlichen Dom dar. Die Sterne über den Seitentürmen werden "Mariensterne" genannt - nach der Schutzpatronin der Stadt.

Die norddeutschen Hohlpfennige am Ende des 12. Jahrhundert zeigen eine Burg mit drei Türmen. Auf städtischem Siegel aus dem 12. und 13. Jahrhundert ist das Tor geschlossen. Hamburg ist eine Festung. Und bleibt es. Doch das Tor – mal ist es geöffnet, mal verschlossen. Mal wird es mit einem Fallgitter bewehrt, dann wieder ohne Fallgitter dargestellt.

Die wohl älteste Farbabbildung des Wappens stammt aus dem 15. Jahrhundert. Sie zeigt eine rote Burg. Bis in das 18. Jahrhundert gelten die gleichen Farben: rote Burg auf weißem Grund. Am 14. Mai 1752 wechselt der Senat der Hansestadt die Farben um. Sie gelten bis heute: weiße Burg auf rotem Grund.

Das Tor bleibt geschlossen. Der Beschluss des Hamburger Senats von 1834 hat bis heute Gültigkeit. Nur das Tor auf dem Altonaer Stadtwappen war schon immer geöffnet. Verliehen hatte es der Dänenkönig Frederik III. Eine dreitürmige Burg mit geöffnetem Tor über den Wellen der Elbe. Von ihm erhielt Altona auch den ersten Freihafen in Nordeuropa, die Gewerbe- und Religionsfreiheit sowie das Marktrecht. Die Stadt mit dem offenen Tor wurde 1937 Hamburg eingegliedert.

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