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Fazit / Archiv | Beitrag vom 07.01.2017

"Auerhaus" am Schauspiel DüsseldorfPackende Bestseller-Adaption für die Bühne

Von Peter Claus

Leipziger Buchmesse, März 2016: Autor Bov Bjerg liest aus seinem Buch "Auerhaus" (imago/STAR-MEDIA)
Leipziger Buchmesse, März 2016: Autor Bov Bjerg liest aus seinem Buch "Auerhaus" (imago/STAR-MEDIA)

"Zauberschön", so hatte der Spiegel den 2015 herausgekommenen Roman "Auerhaus" von Bov Bjerg genannt. Eine Adaption fürs Kino soll noch in diesem Jahr herauskommen. Eine Theaterversion gibt es bereits jetzt - uraufgeführt am Düsseldorfer Schauspielhaus.

Die Suche nach dem Sinn des Lebens. In dem Bestseller von Bov Bjerg begeben sich sechs junge Leute auf genau diese Suche, indem sie auf einem Dorf nahe Stuttgart in den frühen 1980-er Jahren in einem Haus eine WG gründen.

Man ahnt es von Anfang an: Wirklich gut gehen, kann das nicht. Denn ein wesentlicher Grund für das Zusammenziehen ist, dass einer von ihnen versucht hat, sich mit Tabletten aus dem Leben zu stehlen. Ihn davon abzuhalten, es noch einmal mit dem Leben zu versuchen, ist der Anlass der WG-Gründung.

Zunächst stellt sich auf der offenen Bühne der Eindruck ein, ein reines Hörspiel geliefert zu bekommen. Doch im Verlauf der mehr als zwei Stunden gibt es mehr und mehr szenische Auflösungen, und immer dann ist es packend, berührend, stark.

Lakonisch, von bitterem Witz gezeichneter Ton

Erfreulicherweise wird nicht "auf die Tube gedrückt", es gibt keine kreischenden Musikeinspielungen, keinen vordergründigen Video-Einsatz, statt dessen eine kluge Inszenierung (Regie: Robert Gerloff), die dem lakonischen, von bitterem Witz gezeichneten Ton der literarischen Vorlage entspricht (Theaterfassung von Robert Koall).

Vor allem die sechs Schauspieler begeistern. Auch sie agieren überwiegend leise, hintergründig, feinsinnig, lassen die Worte wirken, unterstreichen deren Gehalt geschickt, indem sie sich meist klug zurücknehmen. Da wird's denn fürs Publikum leicht, sich in die Charaktere hineinzuversetzen, sich an sich selbst zu erinnern, an die Zeit damals, als man glaubte, anders werden zu können als "die Alten", ein Leben fern von Schubfächern aufbauen zu können.

Erfreulicherweise wird das nicht triefend kitschig. Davor bewahrt auch die zunehmende Schnelligkeit der Szenen-, Episoden- und Erzählwechsel. So geht man denn auch als Zuschauer, der den Jugendjahren längst entwachsen ist, angeregt nach Hause - angeregt, über den Sinn des Lebens nachzudenken.

Das Düsseldorfer Schauspielhaus (picture alliance / dpa / Jan-Philipp Strobel)Das Düsseldorfer Schauspielhaus (picture alliance / dpa / Jan-Philipp Strobel)

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