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Interview / Archiv | Beitrag vom 12.12.2018

Attentat von Straßburg"Ein Problem der Exklusion nicht der Religion"

Burkhard Birke im Gespräch mit Axel Rahmlow

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Ein Polizist mit einer Maschinenpistole steht vor einem historischen Fachwerkgebäude in Straßburg (Panoramic/Imago)
Die französische Polizei sperrte Teile Straßburgs ab (Panoramic/Imago)

Die mutmaßliche Angreifer von Straßburg wurde offenbar im Gefängnis vom Kleinkriminellen zum Islamisten. Immer wieder radikalisieren sich Menschen in Haft, sagt unser Mitarbeiter Burkhard Birke. Doch die Gründe dafür befänden sich außerhalb der Gefängnismauern.

Dass sich der mutmaßliche Attentäter von Straßburg, Chérif C., im Gefängnis radikalisierte, sei wahrscheinlich, sagt der frühere Frankreich-Korrespondent des Deutschlandfunks, Burkhard Birke.

"Das ist ein Muster, das sich durch viele Profile der Attentäter der vergangenen Jahre zieht."

Kleinkriminelle würden sich im Gefängnis zu islamistischen Terroristen radikalisieren. Zu den bekannten Fällen gehören auch Mohammad Merah, der 2012 eine jüdische Schule in Toulouse angegriffen hatte, und Amedy Coulibaly, der in einem jüdischen Supermarkt in Paris mehrere Menschen getötet hatte.

Chérif C. hatte am Dienstagabend auf dem Straßburger Weihnachtsmarkt auf mehrere Menschen geschossen. Drei Menschen starben und 13 wurden verletzt. Der 29-jährige C. war in den vergangenen Jahren 27 Mal verurteilt worden wegen Diebstählen und Gewalttaten. Dafür saß er mindestens vier Jahre im Gefängnis. Ab 2016 saß er auch eine Haftstrafe in Konstanz und Freiburg ab, 2017 wurde er nach Frankreich verlegt.

Zeichen der Ungleichheit

Im Gefängnis würden sich, sagte Birke, vor allem Menschen radikalisieren, die am Rande der Gesellschaft leben. "Es ist weniger ein Problem der Religion sondern der Exklusion."

Zwar gebe es keine Statistik darüber, wie groß der Anteil der Muslime an den Menschen ist, die in Frankreich inhaftiert sind, Experten würden aber schätzen, dass "fast die Hälfte der Gefängnisbevölkerung aus diesem Milieu ist". Birke sagt, dass sei ein Zeichen der Ungleichheit.

Diese Probleme würden in Frankreich derzeit an unterschiedlichen Stellen sichtbar. Auch die Mitglieder der Gelbwesten-Bewegung, die seit vier Wochen in Frankreich für höhere Löhne und niedrigere Steuern demonstrieren, seien "Menschen, die sich ausgeschlossen fühlen". Dass es soweit kam, sei die Schuld der französischen Politiker.

"Die gesellschaftliche Konsequenz wurde nicht gezogen, als es 2005 in der Banlieue brannte." Damals habe sich deutlich gezeigt, wie geteilt die Gesellschaft sei.

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