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Im Gespräch | Beitrag vom 26.09.2019

Astronom Florian Freistetter"Wissen ist Schauen mit dem Gehirn"

Moderation: Ulrike Timm

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Florian Freistetter steht vor einer Wand und trägt ein "Isaac Newton"-T-Shirt. (Franzi Schädel, CC-BY-SA 4.0)
Florian Freistetter ist Astronom, Kabarettist, Sachbuchautor und passionierter Läufer. (Franzi Schädel, CC-BY-SA 4.0)

Der Wissenschafts-Blogger Florian Freistetter erklärt verständlich und unterhaltsam, wie ein schwarzes Loch funktioniert oder was "dunkle Energie" ist. Mit seinen Kollegen von den Science-Busters bringt er die Sterne sogar auf die Comedy-Bühne.

Wenn es auf der Erde schlecht laufen sollte, dann könnte sich Florian Freistetter ins Weltall aufmachen, zu seinem persönlichen Asteroiden, 243073 Freistetter hat er ihn getauft. "Dem geht’s soweit ich weiß gut, der macht nicht viel. Die meisten Asteroiden fliegen um die Sonne herum und kümmern sich nicht um den Rest." Florian Freistetter kümmert sich dagegen um ziemlich viel. Zum Beispiel um seinen Wissenschafts-Blog, mit über 400.000 Aufrufen jeden Monat.

Eines seiner Hauptthemen, man ahnt es: Asteroiden. "Man kennt Asteroiden nur aus Science-Fiction-Filmen, Hollywoodfilmen, wo sie dann einschlagen und die ganzen Menschen umbringen, Massensterben verursachen. In Wahrheit sind Asteroiden viel, viel wichtiger für uns Menschen. Denn die sind der Ursprung von allem. Die Erde ist aus Asteroiden entstanden. Die Asteroiden haben das Wasser auf die Erde gebracht. Ohne Asteroiden gäbe es das Leben, uns Menschen nicht."  

"Newton war ein Arschloch"

Für viele Menschen klingen solchen Themen allerdings extrem weit weg, mit ihrem Alltag hätte das nichts zu tun. Doch, sagt Florian Freistetter, Asteroiden begegnen uns täglich. "Zum Beispiel der Staub der auf unserer Straßen liegt, sind winzige Asteroiden, die Tag für Tag aus dem Weltall fallen. Jeden Tag fallen 100 Tonnen Material aus dem All auf die Erde, in Form von Staub, und liegen dann einfach so rum."

Der gebürtige Österreicher schreibt nicht nur an seinem Blog, sondern auch Bücher. Unter anderem über den Universalgelehrten Isaac Newton, ein genialer Wissenschaftler aber offenbar ein schwieriger Mensch. "Newton: Wie ein Arschloch das Universum neu erfand", so heißt eines seiner Bücher. Aber wie kommt Freistetter zu einem solchen Titel? Hauptsache provokant? "Ich bin ein großer Fan von Isaac Newton. Er war wirklich meiner Meinung nach der bedeutendste Wissenschaftler aller Zeit. Aber Wissenschaftler sind auch Menschen. Und Isaac Newton war, wenn man sein Privatleben, seinen Charakter betrachtet, ein massiv unangenehmer Mensch. Das hat mich fasziniert, dass das größte Genie aller Zeiten gleichzeitig auch ein gewaltiges Arschloch war."

Mit dem Teleskop in die Sterne schauen - das war einmal

Nein, der Berufswunsch von Florian Freistetter stand nicht schon als Kind fest. Natürlich hat auch er Raumschiff Enterprise geschaut, aber erst die Bücher von Stephen Hawking brachten ihn zum Astronomiestudium.

Zu den Sternen schauen, mit einem Teleskop, so oder ähnlich sieht die Arbeit von Astronomen aus. Noch haben viele diese romantische Vorstellung. Das ist tatsächlich ein sehr tradiertes Bild, findet Florian Freistetter. "Es ist schon lange nicht mehr so, dass die Astronominnen und Astronomen ihre Nächte vor dem Teleskop verbringen, das war vor 100 Jahren so. Heutzutage sitzt man am Computer." Für Freistätter ist das kein Verlust, denn "für mich war das Schauen an sich nie so sehr das Ausschlaggebende. Ich wollte das Universum verstehen. Ich wollte immer wissen, wie funktioniert das alles. Und dieses Wissen finde ich noch viel faszinierender als das Schauen. Wissen ist Schauen mit dem Gehirn und nicht mit den Augen."

Wissenschaftskabarett gegen Vorurteile

Und weil Florian Freistetter dieses Wissen immer auch weitergeben möchte, spielt der 42-Jährige zusätzlich Kabarett, genauer gesagt Wissenschaftskabarett. "Wissenschaftskabarett ist einer der vielen Wege, wie man Wissenschaft unter die Menschen bringen kann. Das größte Problem sind die Vorurteile. Wenn Menschen denken: Das ist zu kompliziert, das ist langweilig. Und wenn man den Menschen sagt: Hier ist Kabarett, da ist es lustig, dann haben sie keine Vorurteile. Und dann kann man über solche Kabarettnummern Wissenschaft vermitteln." Ach ja, wenn Florian Freistetter mal nicht am Computer sitzt oder auf der Bühne steht, dann läuft er. Gern auch mal einen Marathon.

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