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Interview | Beitrag vom 30.06.2018

Asteroiden und MeteoritenKosmischer Steinschlag

Christian Köberl im Gespräch mit Katrin Heise

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Eine NASA-Illustration zeigt die sogenannten "Trojan asteroids", die auf der Umlaufbahn des Jupiters in derselben Richtung kreisen. Ein kleiner Asteroid kreuzt als "kosmischer Geisterfahrer" seit mindestens einer Million Jahren die Bahn des Riesenplaneten. (dpa-Bildfunk / NASA / JPL-Caltech)
Potentielle Bombardement-Gefahr aus dem All: Asteroiden kreisen auf der Umlaufbahn des Jupiters (dpa-Bildfunk / NASA / JPL-Caltech)

Bei "Asteroideneinschlag" denkt mancher sofort an Hollywood-Katastrophenfilme. Alles halb so wild, meint der Geochemiker Christian Köberl: Die meisten Explosionen passierten im All. Dennoch können die größten Brocken erheblichen Schaden anrichten.

"Achtung, Steinschlag…" – so beginnt der Titel eines Buches über Asteroiden und Meteroiten, das Christian Köberl, Professor für planetare Geologie an der Uni Wien gemeinsam mit einem Co-Autor verfasst hat. Kinozuschauern, die harte Hollywoodkost über Asteroideneinschläge à la "Armageddon" oder "Deep Impact" gewöhnt sind, mag das wie eine Verniedlichung vorkommen. Denn immerhin wird seit 2015 am 30. Juni der Welt-Asteroidentag begangen, der auf die Gefahren der großen Brocken, die vom Himmel fallen, aufmerksam machen will.

Viele schaffen es nicht bis auf die Erde

Köberl, der auch Generaldirektor des Naturhistorischen Museums in Wien ist, gibt zunächst einmal Entwarnung: Wir Erdbewohner seien zwar "dem kosmischen Bombardement permanent ausgesetzt" – und stets damit konfrontiert, das kleinere Teilchen in circa 100 Kilometer Entfernung in die Erdatmosphäre einträten. Dies geschehe alle paar Sekunden und die meisten schafften es gar nicht bis zur Erdoberfläche, sondern explodierten vorher. "Ungefähr 100 Tonnen extraterrestrische Materie" stürze täglich auf die Erde herab, erläuterte Köberl im Deutschlandfunk Kultur.

Schwein gehabt: Ein Asteroid mit Mond zieht knapp an der Erde vorbei (Zeichnung). (ESA/Carril)Schwein gehabt: Ein Asteroid mit Mond zieht knapp an der Erde vorbei (Zeichnung). (ESA/Carril)

Bei sehr großen Objekten lasse sich relativ gut vorher sagen, wann als nächstes  - etwa alle 50 Jahre – eines auf die Erde stürze. "Die meisten bewegen sich ganz brav ihren Bahnen im Sonnensystem." Bei den kleineren seien diese Umlaufbahnen jedoch schwieriger zu bestimmen. Dafür bräuchte es ein spezielles Such-Teleskop.

70 Prozent der Arten starben aus

Bislang haben sich nur selten Katastrophen größeren Ausmaßes ereignet. Welche Folgen jedoch Einschläge großer Asteroiden haben können, zeigt die Vergangenheit der Erdgeschichte: Vor 66 Millionen Jahren schlug im heutigen Mexiko ein Asteroid von zehn Kilometer Durchmesser ein - was wiederum einen riesigen Krater von etwa 200 Kilometern entstehen ließ.

"Und der hat tatsächlich damals nicht nur zum Aussterben der Dinosaurier geführt, sondern von ungefähr 70 Prozent der damals auf der Erde lebenden Tier- und Pflanzenarten", sagte Köberl.

Lassen sich Asteroiden auch gezielt nutzen – etwa für den Abbau von Rohstoffen? Dies wäre wohl ein sehr kostspieliges Unterfangen, glaubt der Wissenschaftler: Denn dafür müsse man speziell ausgerüstete Raumschiffe bauen, die das Material abbauen und wieder zurück zur Erde transportieren.
(mkn) 

Christian Köberl, Alwin Schönberger, "Achtung, Steinschlag – Asteroiden und Meteroiten: Tödliche Gefahr und Wiege des Lebens"
Brandstätter Verlag, 2018,
224 Seiten, 22,90 Euro

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