Sammelband "Beyond Maus"

    Das Erbe der Holocaust-Comics

    32:01 Minuten
    Eine undatierte Aufnahme zeigt eine Zeichnung aus den berühmten "Maus"-Büchern von Art Spiegelman. Das Jüdische Museum in New York zeigte 2013 die Werke des Comic-Autors in einer großen Retrospektive.
    Art Spiegelman als "Maus" am Schreibtisch, das Unheil im Rücken. © picture alliance / dpa / Jewish Museum New York
    Ole Frahm im Gespräch mit Christine Watty · 26.11.2021
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    Holocaust im Comic? Das wagte vor 35 Jahren Art Spiegelmans "Maus". Dabei ist die Bedeutung des Mediums für die Aufarbeitung der Gräuel kaum zu unterschätzen, sagt Comic-Fachmann Ole Frahm. Mit einem neuen Buch setzt er den Zeichnungen ein Denkmal.
    Bis heute ist Art Spiegelmans "Maus", erschienen als Buch zuerst 1986 in den USA, der bekannteste Comic, der sich mit dem Holocaust beschäftigt. Spiegelman bezieht sich darin auf originale Zeichnungen von KZ-Häftlingen. Es gibt aber noch viel mehr Comics, die den Holocaust thematisieren.
    Sie stammen sowohl aus den KZs, von Häftlingen gezeichnet, als auch aus der Nachkriegszeit bis heute, wo in Polen, aber auch in vielen anderen Ländern spannende Formen der Auseinandersetzung gefunden werden. All dem widmet sich jetzt in dieser Breite zum ersten Mal ein Sammelband: "Beyond MAUS".

    Fotografische Erinnerung ist von den Bildern der Nazis besetzt

    Jenseits von Maus existieren ganz viele Comics, "die durch 'Maus' sichtbar werden", sagt Mitherausgeber Ole Frahm. Denn durch "Maus" sei viel Aufmerksamkeit entstanden, dass Comics und Holocaust mehr miteinander zu tun haben als gemeinhin gedacht.
    Zum anderen hätten sich Zeichner ermutigt gefühlt, die Geschichte ihrer Familie zu erzählen. Comics spielten in der Wissenschaft immer noch eine Randrolle, das sei wie eine Leerstelle.
    Das Cover des Buches "Maus" von Art Spiegelman. Vor einem Hakenkreuz mit Hitler-Visage stehen bekümmert zwei Mäuse und schauen den Betrachter an.
    Wirkungsvolles Stilmittel: Die Juden in Art Spiegelmans Buch sind als Mäuse, die Deutschen als Katzen dargestellt. © S. Fischer Verlage
    Im seriellen Zeichnen könne etwas erzählt werden, das anders nicht möglich ist: Comics böten so eine Gegen-Erinnerung zu der von den Nationalsozialisten dominierten fotografischen Erinnerung, die bis heute unser visuelles Gedächtnis beherrsche.
    Das serielle Erzählen zwischen Bildern ermögliche, etwas zu erinnern, das sich der sprachlichen und fotografischen Republikation entziehen könnte.

    Ole Frahm, Hans-Joachim Hahn, Markus Streb (Hg.): "Beyond MAUS: The Legacy of Holocaust Comics"
    Schriften des Centrums für Jüdische Studien, Band 34
    Böhlau Verlag Wien, 2021
    420 Seiten, 44,99 Euro

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