#IchBinArmutsbetroffen

Wege aus der Armutsfalle

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Blick von oben auf eine geöffnete Geldbörse und ein Kind, das auf diese schaut. In der Geldböse ist ein fünf und ein zehn Euro-Schein.
In vielen Berufen ist es schwer, über die Runden zu kommen, wenn Kinder ernährt werden müssen. © imago / photothek / Ute Grabowsky
Dieter Dohmen im Gespräch mit Stephan Karkowsky · 31.05.2022
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Alleinerziehende, weniger Qualifizierte und Beschäftigte in schlecht bezahlten Berufen: Sie alle haben ein erhöhtes Armutsrisiko. Der Volkswirt Dieter Dohmen skizziert, wie man ihnen helfen könnte.
Im reichen Deutschland gibt es ein Armutsproblem. Davon zeugen unter anderem die Beiträge mit dem Hashtag #IchBinArmutsbetroffen auf Twitter.
#IchBinArmutsbetroffen - Was bewirkt das Twittern gegen die Armut? (Podcast)
07:55 Minuten
Zwar ist die Arbeitslosenquote mit 5,2 Prozent vergleichsweise niedrig, doch gibt es trotzdem viele gesellschaftliche Gruppen, die von Armut betroffen sind. Dazu zählen etwa Menschen mit geringer oder ganz fehlender Ausbildung, wie Dieter Dohmen erläutert. Der Leiter des Forschungsinstituts für Bildungs- und Sozialökonomie in Berlin berichtet, dass bei diesen Personen die Erwerbslosigkeit dreimal so hoch ist wie beim Rest der Bevölkerung.

Gefahr durch fehlende Ausbildung

Dohmen verweist auf eine gefährliche Entwicklung: Deutschland leiste sich den "Luxus“, dass 20 Prozent der jungen Menschen nicht ausgebildet würden. „Diese Nichtqualifizierten sind in Zukunft überproportional von Sozialleistungen abhängig“, warnt der Volkswirt.

Gibt es eine neue Klassengesellschaft in Deutschland? Warum ist der individuelle Aufstieg so schwer? Und was könnten Politik und Wirtschaft dagegen tun? Mit solchen Fragen beschäftigen wir uns 2022 in unserem Programm vermehrt. Weitere Reportagen und Interviews zu unserer Denkfabrik unter dem Motto „Von der Hand in den Mund. Wenn Arbeit kaum zum Leben reicht“ finden Sie hier.

Auch Alleinerziehende sind am Arbeitsmarkt benachteiligt und oft von Armut bedroht: „Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist häufig nicht gegeben. Der Kita-Platz ist nicht ganz so einfach. So kommt eines zum anderen, und am Ende ist zu wenig Geld da, um davon vernünftig leben zu können.“
Das betreffe auch Beschäftige in besser bezahlten Jobs, sagt der Volkswirt. Denn wenn man nicht Vollzeit arbeiten könne, falle man schnell unter die Schwelle, ab der man nicht mehr über die Runden komme: „Dann ist man in der Teilzeitfalle.“
Manche Arbeit wird zudem nicht gerade üppig bezahlt. Darunter fallen unter anderem die Jobs im Pflegebereich. Auch Kindergartenerzieher*innen verdienten "nicht gerade die Welt“.

Erziehende besser unterstützen

Kämen dann noch Kinder hinzu, „dann reicht das Geld einfach nicht“, unterstreicht Dohmen. Das liege daran, dass das Einkommen davon abhänge, wie der Arbeitsmarkt die Stelle bewerte - nicht aber, ob und wie viele Kinder man zu versorgen habe.

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Dohmen spricht sich deswegen dafür aus, Erziehende besonders staatlich zu fördern. Denn bei der Erziehung von Kindern handele es sich um eine gesellschaftlich sinnvolle Tätigkeit.

Leistungsbeziehende werden stigmatisiert

Außerdem müsse die Stigmatisierung von Leistungsbeziehenden aufhören. Oftmals würden „Menschen, die das System in Anspruch nehmen, schnell mit Personen gleichgesetzt, die es missbräuchlich in Anspruch nehmen“.
So würden Schätzungen zufolge 40 bis 60 Prozent der BAföG-berechtigten Studierenden die Förderung nicht beantragen. Ähnlich hoch seien die Zahlen bei der Grundsicherung. Daher sei die Idee des Bürgergeldes „keine schlechte Idee“, unterstreicht der Wissenschaftler. Denn damit würden die Menschen die Leistungen einfach automatisch erhalten.
(rzr)
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