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Interview / Archiv | Beitrag vom 19.09.2016

Architektur für Demenzkranke Ein schönes Bild oder Blumen sprechen die Sinne an

Architekt Eckhard Feddersen im Gespräch mit Nicole Dittmer und Julius Stucke

Patienten der "Villa Hittorf", einer Wohngemeinschaft für demenzkranke Senioren in Münster bei der Zubereitung des Mittagessens (Foto vom 14.11.2003). (picture-alliance / dpa / Bernd Thissen)
Patienten der "Villa Hittorf", einer Wohngemeinschaft für demenzkranke Senioren in Münster bei der Zubereitung des Mittagessens. (picture-alliance / dpa / Bernd Thissen)

Ein heller Wohnungseingang oder eine Türklinke an der richtigen Stelle: Viele kleine Dinge bei der Architektur von Häusern können Demenzkranken den Alltag erleichtern. Wichtig sei dabei, die "Sinnlichkeit" anzusprechen, sagt der Architekt Eckhard Feddersen.

In unserer alternden Gesellschaft steigt die Zahl der Demenzkranken. Aber wie kann man den Demenzkranken helfen? Der Architekt Eckhard Feddersen hat untersucht, wie die passende Architektur, die richtige Wohnungseinrichtung für demenzkranke Menschen aussehen könnte.

Wichtig sei dabei, die "Sinnlichkeit" anzusprechen. "Wie kann man ihnen ermöglichen, neue Sinnlichkeiten zu entdecken, mit denen sie das, was sie langsam verlieren, möglicherweise nicht zurückgewinnen, aber ersetzen", sagt Feddersen. Denn das Gehirn versuche immer, die verlorenen Fähigkeiten durch andere Fähigkeiten, andere Sinneseindrücke, auszugleichen.

Menschen meiden Dunkelheit

Eine Maßnahme wäre, alles nach dem einfachsten Prinzip zu gestalten, also eine Türklinke auch an die Stelle zu setzen, an der man sie erwarte; oder Räume barrierefrei zu gestalten, damit der Betroffene nicht darüber nachdenken muss, ob er vielleicht stolpere.

Wichtig sei es auch zu beachten, dass ein Mensch Dunkelheit meide. Licht fungiere dagegen als Anziehungspunkt. Daher müssten Eingänge möglichst hell beleuchtet werden, damit der Betroffene weiß, wo er hingehen möchte.

Auswahlmöglichkeiten bieten

Hilfreich sei, wenn der Betroffene nicht hilflos vor einer Situation stehen müsse, sondern immer Auswahlmöglichkeiten habe: einen Stuhl, falls er sich hinsetzen möchte; einen hellen Fensterplatz; ein schönes Bild oder Blumen, um die Sinne zu nutzen.

Richtlinie für eine angemessene Architektur sei letztendlich das, was man selbst schön fände. Dann würden wir auch den Weg finden, einen Menschen mit Demenz wertzuschätzen, sagt Feddersen - und letztendlich herauszufinden, wie man ihm helfen könne. (lk)

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