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Im Gespräch | Beitrag vom 23.10.2020

Architekt und Stadtplaner Matthias Sauerbruch"Nachhaltige Gebäude leben länger"

Moderation: Ulrike Timm

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Porträt des Architekten Matthias Sauerbruch in Berlin. (Kalle Koponen)
Matthias Sauerbruch leitet zusammen mit Louisa Hutton das internationale Architekturbüro Sauerbruch Hutton. (Kalle Koponen)

Wie muss ein Gebäude riechen und klingen, damit man sich darin wohlfühlt? Wie kann ein Bau ästhetisch und nachhaltig zugleich sein? Diese Fragen beschäftigen den Architekten Matthias Sauerbruch. Dabei kommt ihm auch seine Liebe zum Theater zugute.

Die Gebäude von Matthias Sauerbruch fallen ins Auge: Der Neubau des Umweltbundesamtes in Dessau besticht durch seine geschwungene Fassade, das Wechselspiel von Holz und Glas und Farben. Form und Funktion bestens vereint. Ebenso das GSW Haus in Berlin, eines der markantesten Hochhausneubauten in der Mitte der Stadt. Die Fassade leuchtet nicht nur in verschiedenen Rottönen. Darin verbirgt sich auch ein ausgeklügeltes Energiesparsystem, dessen bewegliche Lamellen sich dem Tagesverlauf anpassen.

"Wenn Sie morgens kommen, wird das Haus anders, also diese Fassade anders aussehen als am Nachmittag, wenn die Sonne darauf scheint. Und diese Veränderung, das ist eigentlich ein Zeichen, dass das Gebäude, aufs Wetter, aufs Klima reagiert", erklärt der Architekt.

Sinnliche Wahrnehmung und Nachhaltigkeit

Wichtig auch für Sauerbruch: Die sinnliche Wahrnehmung. Wie empfinde ich ein Gebäude, wie riecht es, wie klingt es? "Oftmals denkt man zum Beispiel: Der Raum sieht ein bisschen kalt aus. Da fühle ich mich nicht wohl. Das hat oftmals mehr mit der Akustik zu tun als mit dem, was Sie sehen. Oder mit den Farben zum Beispiel, die Sie in dem Raum vorfinden."

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Schließlich die Nachhaltigkeit: Themen wie CO2-Ausstoß, kurze Wege in der Stadt, der Einsatz umweltfreundlicher Materialien – all das spiele in der heutigen Zeit eine entscheidende Rolle. Denn, so Sauerbruchs Überzeugung: "Nachhaltige Gebäude leben länger."

Kindheit zwischen Staffelei und Farbtuben

Fast wäre Matthias Sauerbruch Bühnenbilder geworden. Er ist 1955 in Konstanz geboren, der Vater ist Maler, Sohn Matthias wächst zwischen Staffelei und Farbtuben auf. Stuttgart ist nicht fern. Er liebt das dortige Theater, geleitet von Claus Peymann, damals einer der jungen Wilden unter den Regisseuren. Und er liebt die Bühnenwürfe von Achim und Ilona Freyer. Das will er auch machen, verpasst aber die Bewerbungsfrist an der Uni – "nur" für Architektur kann er sich noch einschreiben. 

Dass er letztlich in Berlin studiert und heute dort sein Büro hat, verdankt Matthias Sauerbruch einem Freund aus Stuttgarter Zeiten. Vom Bodensee sei die damals noch geteilte Stadt so weit entfernt gewesen "wie der Ferne Osten". Aber es funkt bei einem spontanen Besuch. "Das war mein erstes Mal, und es war tatsächlich so. Es klingt ein bisschen banal, aber ich hab’ mich irgendwie innerhalb von zwei Tagen in Berlin verliebt. Und es war klar, dass ich nach Berlin wollte."    

Das produktive Architektenpaar Sauerbruch Hutton

Heute betreibt er gemeinsam mit seiner Frau, der Britin Louisa Hutton, ein international agierendes Büro in der Hauptstadt: Sauerbruch Hutton, mit mehr als 100 Mitarbeitenden. Das Paar lebt und arbeitet seit 30 Jahren zusammen. Es klappe nach wie vor, so Matthias Sauerbruch lächelnd. Sie seien "professionell und persönlich gleichzeitig gewachsen."

Ihr Londoner Büro haben sie mittlerweile aufgegeben, noch vor dem Brexit, der die binationale Familie auch beschäftigt. "Wir haben jetzt durchaus in der Familie meiner Frau Menschen, die das sehr gut finden, dass England sich wieder auf die eigenen Beine stellt und unabhängig macht von Brüssel und all diese ganze Rhetorik. Und ja, sagen wir mal, da herrscht eine gewisse Stille am Abendessentisch."

(sus)

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