Seit 13:05 Uhr Länderreport
Mittwoch, 28.07.2021
 
Seit 13:05 Uhr Länderreport

Interview | Beitrag vom 17.06.2021

Archäologie der ZukunftWas wir einmal hinterlassen haben werden

Reinhold Leinfelder im Gespräch mit Ute Welty

Ein alter Autoreifen schwimmt im Wasser. (picture alliance / Zoonar / Patrick Daxenbichler)
Müll im Meer: Wir sollten unseren künftigen Eindruck deutlich verbessern, findet der Geobiologe Reinhold Leinfelder. (picture alliance / Zoonar / Patrick Daxenbichler)

Zukünftige Archäologen werden keine Probleme haben, Relikte unserer Kultur zu finden, so gewaltig ist die Masse menschengemachter Dinge inzwischen. Wir sollten daran arbeiten, was wir der Zukunft zu lesen geben, sagt der Geobiologe Reinhold Leinfelder.

Angenommen, in einigen Tausend Jahren graben künftige Archäologen nach Zeugnissen unserer heutigen Kultur: Was werden sie dann erfahren, was über die Menschen am Anfang des 21. Jahrhunderts lernen?

Vermutlich jede Menge. Denn die Erde ist inzwischen überfüllt mit Dingen und Gegenständen, die der Mensch hergestellt hat. Nach einer neuen Studie wiege alles Menschengemachte ungefähr so viel wie alles Leben auf der Erde, sagt der Geobiologe Reinhold Leinfelder, nämlich ungefähr eine Billion Tonnen.

Und wenn man alle an Verarbeitungsprozessen beteiligten Materialien noch dazu nehme und den Müll, dann seien es schon 30 Billionen Tonnen: "Das kann man sich gar nicht vorstellen, das ist eine Zahl mit 13 Nullen." Gleichmäßig auf die gesamte Erde verteilt, lagerten so 50 Kilogramm auf jedem Quadratmeter.

Hier geht es zur Denkfabrik 2021. Auf der Suche nach dem Wir. (Foto: Deutschlandradio / Malte Müller)

Der Mensch habe die Natur bereits so verändert, dass es nur noch ein Viertel "Ur-Natur" gebe, sagt der Professor für Paläontologie am Institut für Geologische Wissenschaften der Freien Universität Berlin.

Die sogenannte Technosphäre - alles von Menschenhand Geschaffene - breite sich bereits über 45 Prozent des Landes aus. Die Archäologen der Zukunft werden vermutlich ohne Schwierigkeiten in der Lage sein, herauszufinden, wie wir gelebt, was wir hergestellt, gebaut und verbraucht haben. Die Frage sei aber, "was wir denen zu lesen geben", sagt Leinfelder.

Die Erde ist nicht einfach nur für uns da

"Wir sollten verstehen, dass die Erde nicht einfach (nur) da ist, um sie zu nutzen", betont der Geobiologe. Leinfelder plädiert deswegen dafür, nicht mehr von der "Umwelt" zu sprechen. "Wir sollten eher von der Uns-Welt sprechen, in dem Sinne, dass wir Teil des Systems sind."

Um einen besseren Eindruck von uns für künftige Generationen zu hinterlassen, müsse der Mensch noch viel mehr zum Wirtschaften in Kreisläufen kommen und das Prinzip "Weniger ist mehr" verfolgen. Denn zukünftige Generationen sollten sich ja auch noch frei entfalten können und "nicht nur irgendwelchen Problemen hinterherlaufen", mahnt Leinfelder.

(ahe)

App: Dlf Audiothek

Die neue Dlf Audiothek App ist ab sofort in den Appstores von Apple und Google zum kostenlosen Download erhältlich (Deutschlandradio)

Entdecken Sie mit der Dlf Audiothek die Vielfalt unserer drei Programme, abonnieren Sie Ihre Lieblingssendungen, wählen Sie aus Themenkanälen und machen daraus Ihr eigenes Radioprogramm.


Jetzt kostenlos herunterladen

Interview

Juristische StandardwerkeKeine Nazis als Namensgeber
Nahaufnahme des "Palandt": ein juristisches Standadwerk zum Bürgerlichen Gesetzbuch. Das Buch ist sehr dick und hat einen weißen Umschlag, die Schrift darauf ist rot und schwarz.  (picture alliance / CHROMORANGE | Udo Herrmann)

Der C.H. Beck Verlag hat erklärt, juristische Standardwerke nicht länger nach Juristen aus der NS-Zeit benennen zu wollen. Bayerns Justizminister Georg Eisenreich hält den Schritt für notwendig: Namensgeber müssten "integre Persönlichkeiten" sein.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur