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Interview / Archiv | Beitrag vom 01.10.2019

ArbeitsweltEs ist nie zu spät für einen beruflichen Wechsel

Hannes Zacher im Gespräch mit Stephan Karkowsky

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Eine Illustration zeigt Büroangestellte beim Verlassen eines Büros mit ihren Habseligkeiten.  (imago images / Ikon Images / Luciano Lozano)
Ein beruflicher Wechsel löse immer Stress aus, sagt der Arbeitspsychologe. Deshalb müsse das Umfeld stimmen. (imago images / Ikon Images / Luciano Lozano)

Die Chefin und die Kollegen nerven und richtig weiter kommt man nicht: Viele Menschen sind unglücklich mit ihrem Job. Und kündigen trotzdem nicht, aus Angst vor Neuem. Wie man es trotzdem schafft, verrät der Psychologe Hannes Zacher.

Flexibel sollen wir sein, immer bereit, dazuzulernen oder etwas Neues anzufangen, auch noch im höheren Alter. Das wird seit Jahren gepredigt. Aber in der Praxis gelingt nur wenigen ein beruflicher Neuanfang.

Zwar beobachte man in den letzten Jahrzehnten eine Zunahme von - oft unfreiwillig - fragmentierten Berufslaufbahnen, aber nach wie vor hätten die meisten Menschen in Deutschland "relativ stabile Erwerbskarrieren", sagt Hannes Zacher. Das gilt dem Leipziger Professor für Arbeits- und Organisationspsychologie zufolge vor allem für gut qualifizierte Männer, während Frauen und geringer Qualifizierte häufiger fragmentierte Lebensläufe hätten.

Ein beruflicher Wechsel ist immer ein Stressfaktor

Dass letztlich doch viele lieber an dem festhalten, was sie haben, liegt laut Zacher zum einen daran, dass man natürlich viel in den bisherigen Job investiert habe. Zum anderen schlicht an der Angst vor etwas Neuem, Ungewissen:

"Diese Unsicherheit: Was kommt da auf mich zu? Neue Kolleginnen und Kollegen, neue Aufgaben, neue Verantwortlichkeiten. Und das zusammen macht es schwierig, einen Neuanfang zu wagen."

Ein beruflicher Wechsel löse immer Stress aus, sagt der Arbeitspsychologe. Deshalb müsse das Umfeld stimmen. "Dass man neben dem Job auch noch andere Netzwerke hat bzw. soziale Ressourcen", betont Zacher. "Das können Freundeskreise, Familie sein, die einen auch außerhalb des beruflichen Kontexts stützen."

Es kommt nicht auf das Alter an

Außerdem solle man sich möglichst schnell darüber informieren, was im neuen Job erwartet werde und was man besser unterlassen solle: "Wer sind wichtige Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner? Und dass man möglichst schnell auch in diese sozialen Netzwerke im neuen Job reinkommt."

Ein höheres Alter ist für Zacher jedenfalls kein Grund, vom beruflichen Neuanfang abzuraten: "Es ist natürlich so, dass man grundsätzlich in jedem Lebensalter noch fähig ist, etwas Neues zu lernen."

(uko)

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