Arbeiten im Homeoffice

    "Wir brauchen klarere Regeln"

    In der Zeichnung ist eine Computerbildschirm aus der Sicht eines Nutzers zu sehen. Auf dem Bildschirm ist eine Videokonferenz zu sehen, einzelne Teilnehmer scheinen aus dem Monitor herauszukommen.
    Videokonferenzen sind inzwischen Teil des Alltags vieler Beschäftigter. Die Pandemie hat den Kulturwandel hin zum Homeoffice erzwungen. © imago / Ikon Images / Stuart Kinlough
    Moderation: Gerhard Schröder · 01.05.2021
    Arbeiten im Homeoffice gehört zum Alltag, und viele Beschäftigte finden das gut. Nach der Pandemie werden sich viele Fragen neu stellen. So sind manche für ein Recht auf Heimarbeit, andere sehen die Entscheidungshoheit darüber allein beim Arbeitgeber.
    Nach Untersuchungen des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung bewerten 77 Prozent der Beschäftigten ihre Erfahrungen im Homeoffice positiv. Und jeder zweite würde auch nach dem Ende der Coronakrise gern mobil von zu Hause aus arbeiten. "Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen schätzen die Flexibilität, die mit mobilem Arbeiten verbunden ist", sagt Bettina Kohlrausch vom WSI. Vor allem Pendler hätten zudem einen großen Zeitgewinn, wenn der Anfahrtsweg zur Arbeit entfalle. Aber: "Wir brauchen klarere Regeln", fordert Kohlrausch für die Zukunft.

    Wohnsituation und Arbeitszufriedenheit

    Entscheidend für die Zufriedenheit der Beschäftigten im Homeoffice sei die Wohnsituation, sagte Andreas Pfnür, Ökonom an der Technischen Universität Darmstadt. Er hat knapp 1000 Beschäftigte in den vergangenen Monaten befragt. Ergebnis: Wer in einer großen Wohnung lebt, genügend Platz für einen eigenen Arbeitsplatz hat, bewertet mobiles Arbeiten zuhause positiver als jemand, der in beengten Verhältnissen lebt.
    Für Pfnür ist das ein entscheidender Punkt: Er sieht die Gefahr einer sozialen Spaltung. "Vom Homeoffice profitieren bislang vor allem die Gutverdiener, mit hoher Bildung", sagt er.
    Schwierig sei das Arbeiten im Homeoffice aber für Nachwuchskräfte, die gerade in den Beruf einsteigen. Ihnen falle es schwer, sich in dem neuen Arbeitsumfeld zurecht zu finden, so Pfnür.

    Wandel weg von der Präsenzkultur

    Martin Krzywdzinski vom Wissenschaftszentrum Berlin sieht trotz der Einwände eine positive Entwicklung. Die Coronakrise habe zu einem Kulturwandel gezwungen, weg von der Präsenzkultur, hin zu mobilem Arbeiten. Das werde zwar nicht für alle die bevorzugte Art des Arbeitens sein, aber für viele eine Möglichkeit, ihr Arbeitsleben flexibler zu gestalten. Das sei eine positive Entwicklung, findet der Forscher.
    Wie genau das richtige Verhältnis zwischen Büroarbeit und mobilem Arbeiten aussehe, werde sich nach dem Ende der Coronakrise zeigen, wenn die Unternehmen in den Normalbetrieb zurückkehren könnten. Ein Zurück in die Vorkrisenzeit, in der mobiles Arbeiten die Ausnahme bildete, werde es aber nicht geben, so Krzywdzinski.

    Konflikt beim Recht auf Homeoffice

    Ob Beschäftigten ein Recht auf mobiles Arbeiten eingeräumt werden sollte, wurde von den Wissenschaftlern unterschiedlich eingeschätzt. Bettina Kohlrausch vom WSI plädiert eindeutig dafür: Wenn Arbeitgeber das verweigern wollten, dann sollten sie es zumindest gut begründen müssen, sagt sie.
    Homeoffice sei nicht für jeden geeignet, entgegnet Oliver Stettes vom arbeitgebernahen Institut der Deutschen Wirtschaft. Der Arbeitgeber müsse im Einzelfall entscheiden, ob mobiles Arbeiten gut für den Beschäftigten und gut für den Betrieb sei. Da dürfe ihm der Gesetzgeber nicht reinreden, so Stettes.
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