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Lesart | Beitrag vom 02.09.2019

Appell von Autor Clemens MeyerEine Alternative zur Alternative bieten

Clemens Meyer im Gespräch mit Frank Meyer

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Clemens Meyer porträtiert am Rande einer Lesung auf dem Gut Bülowsiege im August 2019. Er steht im Halbschatten vor einem Baumstamm mit strengem Blick. (imago images / Gerhard Leber)
Die AfD sei "keine reine Protestpartei", sagt Schriftsteller Clemens Meyer. (imago images / Gerhard Leber)

Die AfD kam bei der Landtagswahl in Sachsen auf 27,5 Prozent der Stimmen und verdreifachte damit ihren Anteil fast. Autor Clemens Meyer fordert dazu auf, argumentativ zu bleiben und sich ohne Polemik mit der rechtspopulistischen Partei auseinanderzusetzen.

Angesichts der Stimmengewinne der AfD bei der Landtagswahl in Sachsen (27,5 Prozent) zeigt sich der Schriftsteller Clemens Meyer besorgt. Die CDU sei zwar stärkste Kraft geworden (32,1 %). "Aber ich bin jetzt nicht der, der da sagt: Okay, jetzt ist da alles gerettet."

Vielmehr müssten Gesellschaft und Politik beginnen, darüber nachzudenken, weswegen die AfD einen so großen Wählerzuspruch erhalten habe und wie ein Diskurs möglich sei: Einen Teil der Menschen, die AfD gewählt haben, erreiche man vielleicht nicht mehr – "aber einen anderen Teil erreichen wir vielleicht noch. Und da dürfen wir nicht aufgeben", sagt der Schriftsteller, der in Leipzig aufwuchs und der in seinen Romanen verschiedenste Gesellschaftsschichten im wiedervereinigten Deutschland schildert. Wichtig sei, "argumentativ zu bleiben". Reine Polemik oder die AfD lächerlich zu machen, helfe dagegen nicht.

Keine "reine Protestpartei"

Dass die AfD einen so großen Wählerzuspruch erhalten habe, lasse sich nur durch ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren erklären, glaubt Meyer – und gehe bis in die "DDR-Vergangenheit zurück". Die Entvölkerung der Region sei auch ein Faktor. Zudem sei in den 90er-Jahren bezüglich des Neonazi-Problems von der Politik weggeschaut worden.

Jedenfalls könne man bei der AfD nicht mehr "von einer reinen Protestpartei" sprechen. "Es gibt anscheinend ein Misstrauen gegenüber der sogenannten Obrigkeit, gegen die Regierung, ein Misstrauen gegen das System, die Medien, die Presse – also das, was für die AfD-Wähler vielleicht alles westdeutsch geprägt ist."

Hinzu komme, dass es im Osten keine gewachsene Tradition der großen Volksparteien gebe. "Das ist ja vom Westen rübergekommen."

Ein "großes bürgerliches Bündnis" schaffen

An die restlichen Parteien richtet Meyer den Appell, ein "großes bürgerliches Bündnis" zu schaffen, ohne Koalitionen auszuschließen. "Wir müssen sehen, wie kann man den versplitterten Rest zusammenführen. Und sagen: 'Okay, wir bieten jetzt die Alternative zur Alternative'."

(nis)

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