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Alte Musik | Beitrag vom 20.05.2020

Antonio Salieris französische OpernWie ein dreistöckiger Dampfer unter Fischerbooten

Von Matthias Käther

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Gemälde des älteren Komponisten. (imago images / Leemage )
Dieses Bild von Antonio Salieris bewahrt die "Gesellschaft der Musikfreunde" in Wien. (imago images / Leemage )

Antonio Salieri gilt als einer der innovativsten Komponisten seiner Zeit. Tatsächlich waren dessen französische Opern Sensationsstücke und Tagesgespräch im Paris der 1780er-Jahre.

Weitab von Mozarts Konkurrenz in Wien gelang es Antonio Salieri, sich in der französischen Hauptstadt den Ruf eines neuen Gluck zu erwerben – und das sogar mit Glucks Unterstützung. Salieri war diesem eng verbunden, als Schüler und Freund.

Und so reiste beide 1784 nach Paris, um die Oper "Les Danaides" einzustudieren. Schon zuvor munkelte die Presse, dass Salieri zumindest Teile der Oper komponiert habe.

Ein glücklicher Gluck oder ein saurer Salieri?

Die Spekulationen, die natürlich auch das Interesse an der Oper steigerte, gipfelten in Behauptungen, dass der Erfolg darüber entscheiden würde, welche "Autorenschaft" der Oper zugesprochen würde: Käme sie beim Publikum an, dann würde sie Gluck zugeschrieben - würde sie durchfallen, könnte man sie leicht dem Schüler Salieri zuschieben.

Historisches Porträt eines Mannes mit leicht lockiger Perrücke von 1880 in schwarz-weiß.  (imago images / imagebroker)Fairer Lehrer: Christoph Willibald Gluck. (imago images / imagebroker)

Doch es kam anders. Nachdem die Oper durchschlug, gab Gluck persönlich bekannt, dass Salieri der Komponist sei. Er habe ihm nur assistiert. Damit ebnete er seinem ehemaligen Schüler den Weg.

Weitere Aufträge

Neue Zusammenarbeiten zwischen der Pariser Oper und Antonio Salieri wurden vereinbart. Auch die folgenden Bühnenstücke wurden gefeiert und europaweit gespielt. Folgende Generationen schätzten die Werke Saleris. So schenkte auch Berlioz dem Komponisten Beachtung und wies auf seine prachtvollen Werke hin, die er als "dreistöckigen Dampfer unter Fischerbooten" bezeichnete.

Und doch gerieten die Opern in Vergessenheit. Der erfolgreiche Komponist wurde im Laufe der Zeit zum "Mörder Mozarts" stilisiert und damit negativ belegt. Diese Episode scheint überwunden. Die Opern tauchen nun immer wieder auf den heutigen Spielplänen auf.

Neuer Zuspruch für Salieri

So verwundert es nicht, dass in den vergangenen Jahren Salieris französische Opern "Les Danaides", "Les Horaces" und "Tarare" auch erneut auf CDs eingespielt wurden, unter anderem mit Spitzenkräften unter der Leitung von Christophe Rousset.

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