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Diskurs | Beitrag vom 21.07.2019

Antisemitismus-Forscherin Monika Schwarz-Friesel„Null Toleranz gegenüber israelbezogener Judenfeindschaft“

Moderation: Susanne Führer

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Prof. Dr. Monika Schwarz-Friesel (TU Berlin / PR / Felix Noak)
Auch für eine erfahrene Antisemitismus-Forscherin wie Schwarz-Friesel war das Ausmaß der Grausamkeit im Internet erschreckend. (TU Berlin / PR / Felix Noak)

Die Judenfeindschaft im Internet hat zugenommen, und sie hat sich radikalisiert. Im Netz sei der „Vernichtungswille“ besonders ausgeprägt, sagt die Forscherin Monika Schwarz-Friesel. Es werde „weh tun“, Antisemitismus zu bekämpfen.

Über vier Jahre lang hat die Kognitionswissenschaftlerin Monika Schwarz-Friesel von der TU Berlin gemeinsam mit einem Team erforscht, wie Judenhass im Internet verbreitet wird. In dieser "weltweit einmaligen Studie" wurden riesige Textmengen untersucht, von den Kommentaren der klassischen Medien bis zu Fan-Foren, Ratgeber-Portale ebenso wie Instagram.

Ergebnis der Studie: Der Anteil der antisemitischen Kommentare im Netz hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Das führe dazu, "dass immer mehr User und Userinnen bei ihren Recherchen auf immer mehr antisemitische Äußerungen stoßen".

Auch für eine erfahrene Antisemitismus-Forscherin wie Schwarz-Friesel war das Ausmaß der Grausamkeit erschreckend. Der "Vernichtungswille" sei besonders ausgeprägt. Und: "Wir haben nicht nur die sprachlichen Äußerungen mit den Morddrohungen und Beschimpfungen und Dämonisierungen –‚Judenschweine, ekelhaftes Pack, ab ins Gas mit euch‘ oder ‚wir wollen einen zweiten Holocaust‘ –, sondern wir haben daneben eben auch Bilder, Audios und Videos."

"Judenfeindschaft ist eine kulturelle Kategorie"

Wer dem Antisemitismus wirklich entgegen treten wolle, müsse sich von einigen überholten Vorstellungen verabschieden, sagt Schwarz-Friesel. Antisemitismus sei weder gleichzusetzen mit Rassismus noch mit Fremdenfeindlichkeit. "Judenfeindschaft ist eine kulturelle Kategorie, die nach der Abspaltung von Juden- und Christentum" entstanden sei; sie gehöre seit 2000 Jahren zur westlichen Kultur. Antisemitismus – das sei das Besondere – beruhe ganz allein auf Phantasmen.

Am häufigsten äußere sich Antisemitismus heute unter dem Deckmantel der Israel-Kritik. Antisemitismus gebe es bei Linken wie bei Rechten, bei Gebildeten wie bei Ungebildeten. Das Wichtigste, was gegen die Judenfeindschaft zu tun sei: "Null Toleranz gegenüber israelbezogenem Antisemitismus." Wenn man wirklich gegen Judenfeindschaft angehen wolle, dann werde es weh tun. Es sei höchste Zeit.

(sf)

Monika Schwarz-Friesel (geb. 1961), ist Antisemitismus-Forscherin und Kognitionswissenschaftlerin an der TU Berlin, wo sie als Professorin das Fachgebiet Allgemeine Linguistik leitet. Von 2014 bis 2019 leitete sie das DFG-Forschungsprojekt "Antisemitismen im World Wide Web". Daraus ging das Buch "Judenhass im Internet" (2019, Hentrich & Hentrich Verlag) hervor. Weitere Veröffentlichungen u.a.: "Die Sprache der Judenfeindschaft im 21. Jahrhundert" (mit Jehuda Reinharz, 2017, de Gruyter), "Gebildeter Antisemitismus" (2015, Nomos).

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