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Interview | Beitrag vom 08.02.2019

Anti-Mobbing-App Wie Berliner Schüler Mobbingopfern helfen wollen

Kai Lanz im Gespräch mit Ute Welty

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Ein Junge mit dunklem T-Shirt und zerzausten Haaren sitzt im Klassenzimmer und hat den Kopf auf die verschränkten Arme gestützt. (imago stock&people / photothek / Thomas Koehler)
Mobbing ist im Schulalltag allgegenwärtig, aber es wird zu wenig darüber gesprochen. Drei Berliner Schüler wollen das ändern. (imago stock&people / photothek / Thomas Koehler)

An vielen Schulen sei das Thema Mobbing immer noch ein Tabuthema, beklagt der 17-jährige Berliner Gymnasiast Kai Lanz. Betroffene trauten sich oft nicht, Mobbing zu melden. Deshalb hat Lanz mit zwei Mitschülern eine Anti-Mobbing-App entwickelt.

Betroffene Schüler hätten oft Angst, Mobbing-Fälle zu melden, ist die Erfahrung des Berliner Gymnasiasten Kai Lanz.  Nur jeder dritte Schüler melde sich bei Lehrern oder Eltern, sagte Lanz im Deutschlandfunk Kultur. "Bei dieser Hemmschwelle wollen wir ansetzen." Deshalb haben drei Schüler des Canisius-Kollegs in Berlin eine neue App entwickelt, die es Betroffenen erleichtern soll, sich unter dem Schutz der Anonymität an Lehrer, ältere Mitschüler oder Schulseelsorger zu wenden, damit ihnen geholfen werden könne.

Mobbing im Schulalltag

"Über jetzt insgesamt fast 12 Jahre Schulzeit haben wir natürlich auch selber mitbekommen, wie Mobbing in der Schule stattfindet", sagte Lanz. "Wir denken deshalb, dass gerade wir als Schüler die richtigen sind, um dieses große Problem zu adressieren." Bei der Arbeit an der App hätten sie sich mit vielen Einzelschicksalen auseinandergesetzt, aber auch mit den Statistiken beschäftigt. "Da ist uns das Ausmaß auch nochmal richtig bewusst geworden." Nach der Pisa-Studie von 2016 werde in Deutschland jeder sechste 15-Jährige regelmäßig Opfer von Mobbing. Durch das Cyber-Mobbing sei nochmal eine neue Dimension dazugekommen. Anders als auf dem Schulhof könnten das Lehrer oft gar nicht mitbekommen.

Suche nach Geld

Die Schüler hätten sich mit ihrer App "Exclamo" bereits an das Bundesbildungsministerium gewandt, das aber nicht zuständig sei. Nun wolle man an die Kultusministerkonferenz herantreten. Vom Berliner Senat hätten die App-Entwickler noch nichts gehört. Bisher haben die drei Jungs ihr Taschengeld in die App gesteckt, inzwischen sammeln sie über Crowdfunding Geld, um ihr Projekt weiter umsetzen zu können. (gem)

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