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Kompressor | Beitrag vom 28.01.2020

Anglizismus des Jahres„...for Future“ besiegt "OK Boomer"

Anatol Stefanowitsch im Gespräch mit Timo Grampes

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"Genug Hirn for Future" steht bei einer Demonstration von Fridays For Future sowie einem großen NGO-Bündnis zum Aktionstag für mehr Klimaschutz am 29. November 2019 auf einem Plakat. (picture alliance/Christoph Soeder/dpa)
Eine Klimademo in Berlin im November 2019: Alle Teilnehmer sind "for Future". (picture alliance/Christoph Soeder/dpa)

Viele waren 2019 „for Future“: Auf die „Fridays“ folgten „Scientists“ und „Omas for Future“. Eine Fachjury hat den Ausdruck aus der Klimabewegung nun zum Anglizismus des Jahres gekürt. Auf dem zweiten Platz landete „OK Boomer“.

Der Klimawandel war das große Thema 2019. Das zeigt sich auch bei der Wahl zum Anglizismus des Jahres, zu dem eine Fachjury nun den Begriff "… for Future" erklärte. Der Ausdruck, auf Deutsch "für die Zukunft", kommt ursprünglich von der Klimaschutzbewegung "Fridays for Future".

Seit 2010 kürt die Initiative Anglizismus des Jahres jährlich einen Begriff. Sie würdigt damit, so die Eigenbeschreibung, "den positiven Beitrag des Englischen zur Entwicklung des deutschen Wortschatzes". Zuvor wurden in diesem Sinne bereits ausgezeichnet: "leaken", Shitstorm", "Crowdfunding", "Gate", "Blackfacing", "Refugees Welcome", "Fake News", "Influencer" und "Gendersternchen".

Die Phrasioschablone kam aus dem Nichts

Bei "... for Future" handelt es sich um eine sogenannte Phrasioschablone: einen feststehenden Ausdruck, der eine Leerstelle aufweist, in die verschiedene Dinge eingesetzt werden, wie der Juryvorsitzende Anatol Stefanowitsch erklärt. Auf die "Fridays" folgten "Scientists", "Entrepreneurs" und "Omas".

"Fridays for Future" und die Abwandlungen des Begriffs seien Ende 2018 wie aus dem Nichts aufgetaucht, so Stefanowitsch. "Das ist das eindeutige Phänomen des Jahres 2019", sagt der Sprachwissenschaftler, der zur Struktur des heutigen Englisch an der Freien Universität Berlin forscht. Mit dem Bezug zu Klimaschutz, dem zentralen Thema des Jahres und wahrscheinlich der kommenden Jahrzehnte, bereichere der Begriff "… for Future" den Wortschatz. Er ermögliche, erleichtere und beflügele relevante öffentliche Diskussionen.

Publikumsliebling "OK Boomer"

Auf die Frage, ob der Begriff "… for Future" nicht viel Spaltungspotenzial aufweise, weil er zwischen Progressiven und Gestrigen unterscheide, antwortet Stefanowitsch: "Wir bewerten nicht, ob ein Begriff gut oder schlecht ist. Sondern wir bewerten nur, ob er in öffentlichen Diskursen relevant war."

Mehr Spaltungspotenzial sieht Stefanowitsch ohnehin bei einem anderen Begriff, der in der Online-Publikumsabstimmung zum Anglizismus des Jahres ganz vorne lag: "OK Boomer", ein Begriff, den jüngere Generationen nutzen, um auf als überheblich wahrgenommene Aussagen von älteren "Baby-Boomern" zu reagieren.

"OK Boomer", der auch Stefanowitschs persönlicher Favorit war, landete bei der Fachjury nur auf dem zweiten Platz. "Das lag eventuell auch an dem etwas höheren Durchschnittsalter unserer Jury, die sich da eventuell ein bisschen negativ angesprochen gefühlt hat von diesem Slogan", so Stefanowitsch.

(jfr)

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