Seit 01:05 Uhr Tonart

Sonntag, 16.06.2019
 
Seit 01:05 Uhr Tonart

Fazit / Archiv | Beitrag vom 07.12.2018

Angela Merkel gibt CDU-Parteivorsitz ab"In den USA fast eine Ikone"

Esther Dischereit im Gespräch mit Sigrid Brinkmann

Podcast abonnieren
Bundeskanzlerin Angela Merkel (25.11.2018) (AFP / Emmanuel Dunand)
Bundeskanzlerin Angela Merkel ist nicht mehr Parteivorsitzende der CDU. (AFP / Emmanuel Dunand)

Angela Merkels Zeit als CDU-Parteivorsitzende ist nun Geschichte. Mit den Worten "Es war mir eine Ehre, es war mir eine Freude" trat sie ab. Über das, was die Politikerin und Kanzlerin Merkel war und ist, spricht die Autorin Esther Dischereit.

Angela Merkel habe gesehen, dass eine Modernisierung Deutschland gut tue, sagt die Autorin Esther Dischereit, und eine Modernisierung könne auch nur mit einer Öffnung einhergehen. Deswegen mag Deutschland ein attraktives Land sein, in dem viele Menschen leben möchten.

"Trotzdem musste sie zum Einwanderungsgesetz getragen werden. Insofern sehe ich sie da zwiespältig." Dass sie aber frei von Deutschtümelei sei und nicht einknicke vor Kreisen, die sie auch mal an den Galgen wünschten, verschaffe ihr großen Respekt. 

Merkel hat 2015 die richtige Entscheidung getroffen

"Ihre Entscheidung 2015 die Grenzen nicht zu schließen, habe ich für vollkommen richtig gehalten. Und auch daran festzuhalten, dass die Festsetzung von Obergrenzen bei den Flüchtlingen einfach nicht legal ist. Da hatte sie die moralisch richtige Entscheidung getroffen.

Aber auch da war es so, dass es von der Bevölkerung und von den anderen Parteien schon einen starken Druck gegeben hat. Die Menschen haben gespürt, dass das jetzt der richtige Schritt ist. An der Entscheidung hat sie dann auch festgehalten und sich nicht davon distanziert." Man dürfe aber auch nicht vergessen, dass die deutsche Wirtschaft die Idee hatte und weiterhin habe mit der Zuwanderung bestimmte Lücken zu schließen.

Die Autorin Esther Dischereit  (Deutschlandradio / Bettina Straub)Die Autorin Esther Dischereit sagt, sie habe Respekt vor Angela Merkel, weil diese frei von Deutschtümelei sei. (Deutschlandradio / Bettina Straub)

Das Bild Angela Merkels im Ausland unterscheide sich sehr von ihrem Bild hierzulande, sagt Dischereit. "In den USA hat sie fast den Status einer Ikone. Es gibt eine Biographie über sie, die sehr viel gelesen wird. Das hat natürlich mit der gegenwärtigen US-Innen- und Außenpolitik zu tun."

Das Gegenteil von Donald Trump

Da werde jetzt klar, dass Trump eine menschenverachtende Politik betreibe, auch weil er immer wieder mit dem Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko drohe. "Angela Merkel kommt aber aus einem System, in dem die Menschen froh waren, als die Mauer fiel. Sie ist also die Repräsentantin des genauen Gegenteils." Mit ihrer Politik der Öffnung 2015 habe sie vielen Amerikanern gezeigt, dass solch eine Politik keineswegs in den Abgrund führe.

Hoffnung in Merkels Nachfolgerin

Dischereit findet es positiv, dass die Delegierten des Parteitags Annegret Kramp-Karrenbauer zu Merkels Nachfolgerin gekürt haben. Das deute an, dass die Partei dem Merkel-Kurs treu bleibe. 

"Den Heimattümeleien, Seehofer-Attitüden oder Leitkultur-Ausrufen hat Angela Merkel sich nie angeschlossen. Auch gegenüber Rechtsextremismus ist das wichtig. Es ist zu hoffen, dass es sich nun mit dieser Wahl um eine Person handelt, die sich nicht vorstellen kann, mit solchen Kräften zu koalieren.", legt Dischereit ihre Hoffnung in Merkels Nachfolgerin Kramp-Karrenbauer.

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsIm Maschinenraum des Denkens
Ein alter Mann mit Brille steht an einem Rednerpult und spricht ins Publikum. (Janine Schmitz / photothek / imago-images)

Die "Zeit" widmet dem Soziologen und Philosophen Jürgen Habermas anlässlich seines 90. Geburtstags fast das komplette Feuilleton und sieht in ihm ein "ästhetisches Phänomen". In Gestalt der Philosophin Ágnes Heller gibt es aber auch kritische Worte.Mehr

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

Folge 14Der Stoff, aus dem der Osten ist
Szene aus "Düsterbuschs City Lights" am Theater Magdeburg (Theater Magdeburg)

Von einer Magdeburg-Reise kommen wir mit Fragen zurück: Welche Themen interessieren 30 Jahre nach dem Mauerfall das Publikum in den neuen Bundesländern? Muss man hier anders Theater machen? Und warum fallen Kritiken oft anders aus als Zuschauerreaktionen?Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur