Seit 20:03 Uhr Konzert

Sonntag, 16.12.2018
 
Seit 20:03 Uhr Konzert

Lesart | Beitrag vom 01.12.2018

Andreas Wunn: "Mutters Flucht""Sie braucht immer noch Abstand zu dem, was passiert ist"

Moderation: Florian Felix Weyh

Beitrag hören Podcast abonnieren
Schwarzweißfoto einer flüchtenden Familie (Bild: picture alliance/akg-images, Cover: Ullstein)
Nach vielen Jahren brach Andreas Wunns Mutter das Schweigen über ihre Flucht nach Deutschland. Jetzt hat der ZDF-Journalist darüber ein Buch geschrieben. (Bild: picture alliance/akg-images, Cover: Ullstein)

Jahrzehnte schwieg die Mutter des ZDF-Journalisten Andreas Wunn über ihre Flucht nach dem Zweiten Weltkrieg. Dann sah sie 2015 die Bilder der Flüchtlinge, die nach nach Deutschland kamen - auf derselben Route, die auch sie genommen hatte.

1947 kam die Mutter von ZDF-Journalist Andreas Wunn auf der Flucht vor jugoslawischen Partisanen nach Deutschland. Jahrzehntelang wurde darüber in der Famlie nicht gesprochen. "Meine Mutter hat nie groß erzählt", sagt Wunn. "Sie hat sich aber auch an vieles nicht erinnert."

Erst durch die Bilder der vielen Flüchtlinge, die 2015 nach Deutschland kamen, sei das Thema wieder hochgekommen. "Plötzlich hat sie gesagt: Ihr könnt mich alles fragen." Etwas widerstrebend habe sich die Mutter darauf eingelassen, gemeinsam mit Wunn ihre damalige Fluchtroute nachzureisen - bis an den Geburtsort: Setschan im serbischen Teil des Banat. Über diese gemeinsame Erfahrung hat Wunn mit "Mutters Flucht" ein Buch geschrieben.

Die Kriegsgeneration schweigt über ihre Erlebnisse

"Wir waren dann im August 2017 unterwegs, auf den Monat genau 70 Jahre nach ihrer Flucht", so Wunn. "Letztlich war diese Reise für uns unglaublich interessant und wichtig und letztlich ist meine Mutter auch froh, dass wir es gemacht haben."

Dennoch sei es der Mutter bei vielen Dingen nicht möglich gewesen, sich zu öffnen. Selbst als sie vor der alten, verfallenen Fabrik gestanden wären, in der vermutlich ihr Vater von jugoslawischen Partisanen ermordet worden war, sei sie weiterhin sehr verschlossen gewesen.

"Sie war zwar froh, diese Reise gemacht zu haben, aber sie hat sich auch nicht richtig darauf eingelassen, weil sie immer noch Abstand braucht zu dem, was passiert ist, und sich, glaube ich, manchmal auch nicht erinnern wollte oder die Gefühle nicht zulassen wollte", so Wunn. "Ich glaube aber, dass das ganz typisch ist für diese Kriegsgeneration, diese Kriegskinder."

(uko)

Andreas Wunn: "Mutters Flucht. Auf den Spuren einer verlorenen Heimat"
Ullstein-Verlag, 256 Seiten, 20 Euro

Lesart

weitere Beiträge

Buchkritik

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur