Dokumentarfilm "An Impossible Project"

Sehnsucht nach dem Polaroid

08:53 Minuten
Ein Mann mittleren Alters in einem Raum voller alter technischer Geräte
Ein Idealist des Analogen: Florian Kaps in dem Dokumentarfilm "An Impossible Project". © picture alliance / Everett Collection
Jens Meurer im Gespräch mit Massimo Maio · 20.01.2022
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"Analog ist nicht Retro, sondern Futuro", sagt der Filmregisseur Jens Meurer. In "An Impossible Project" folgt er einem Wiener Unternehmer und seinen oft sehr jungen Mitstreitern, die sich für nicht-digitale Technologien begeistern und einsetzen.
In seinem Dokumentarfilm "An Impossible Project" begleitet Jens Meurer Menschen, die angesichts der fast vollständigen Digitalisierung unseres Lebens nach dem Analogen suchen. Im Zentrum des Films steht Florian "Doc" Kaps, ein Unternehmer aus Wien, der 2008 sein gesamtes Vermögen riskierte, um mit einer kleinen Gruppe von Idealisten die letzte Polaroid-Fabrik der Welt in den Niederlanden vor dem Aus zu retten.
Das Erstaunliche ist: Seine Mitstreiter sind junge Leute, "Digital Natives", die aber zunehmend die Sehnsucht nach dem Echten umzutreiben scheint. Ob die Rettung von Polaroid gelingt und warum sein Protagonist auf der Suche nach dem Analogen ausgerechnet im Analog Research Lab von Facebook landet, erzählt Regisseur Jens Meurer, der "Doc" viele Jahre mit der Kamera begleitete, in "An Impossible Project", jetzt neu im Kino.
"Den treibt an, nicht einfach hinzunehmen, wenn irgendwie Quatsch passiert", sagt Meurer, "sondern eine Vision zu entwickeln und danach zu handeln – eine Haltung zu haben und die auch umzusetzen. Er macht das ziemlich extrem in seinem Leben, aber ich finde, das ist für uns alle ein ganz gutes Vorbild."

Gegen die digitale Lawine

Analog übersetzt Meurer mit "menschlich", denn der Mensch sei nun einmal ein analoges Wesen mit fünf Sinnen und nicht nur Hören und Sehen. "Doc" inspiriere einen, sich mit dem ganz natürlichen Bedürfnis wieder zu beschäftigen, zu riechen und zu greifen, das unter der "digitalen Lawine" ein wenig zugedeckt worden sei. "Doc lebt vor, dass man sich an den Dingen festhält, die 'tried and tested' sind und uns auch in Zukunft noch gut anstehen." Sie würden verloren gehen, wenn das nicht geschehe - siehe Polaroid.

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Dieses Analogstreben sei aber überhaupt nicht Retro, sondern "Futuro", meint Meurer. Auch eine moderne Polaroid-Kamera sei mit Bluetooth verbunden. Es ginge darum, das Beste von beiden Welten miteinander zu verbinden, denn natürlich habe das Digitale viele Vorteile. Es bereite aber auch ganz jungen Menschen einfach Freude, die "alten" Technologien zu nutzen; Vinyl-Schallplatten zum Beispiel seien nicht allein die Sache von nostalgischen Sammlern, die sich an ihre Jugend erinnern.

"Streaming ist auch gut, aber nur Streaming? In der Welt wollte ich nicht leben."

Jens Meurer

Jens Meurer hebt den politischen Aspekt von Florian Kaps' Vision hervor: "Wenn wir sehen, wie unglücklich fast alle Sozialen Medien machen, wie wir den ganzen Tag an den Smartphones hängen, wie wir abhängig sind von News-Channels auf irgendwelchen Plattformen, die wir überhaupt nicht mehr verstehen oder kontrollieren können – das schwang für mich schon mit, einen Film zu machen, der zeigt, wie leicht es ist, einen Schritt zur Seite zu gehen und das nicht alles mitzumachen."

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