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Kommentar / Archiv | Beitrag vom 18.08.2016

Amnesty International zu syrischen Hafteinrichtungen Gefoltert, erschlagen oder verhungert

Von Björn Blaschke

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Logo der Organisation Amnesty International (picture alliance/dpa - Britta Pedersen)
Amnesty International hat einen neuen Bericht über syrische Hafteinrichtungen erstellt: Seit 2011 seien dort fast 18.000 Menschen gestorben (picture alliance/dpa - Britta Pedersen)

Fast 18.000 Menschen sollen in syrischen Hafteinrichtungen seit 2011 gestorben sein, sagt ein neuer Bericht von Amnesty International. Daran werde sich kaum etwas ändern, befürchtet Björn Blaschke: Der politische Wille dafür fehle auf allen Seiten.

Es ist gut und richtig, dass das Grauen in Syrien einmal mehr dokumentiert wurde. Aber: Ändern wird der Bericht von Amnesty International nichts! Weil niemand dem Grauen in Syrien Einhalt gebieten will.

Präsident Bashar al-Assad will den Krieg gegen die eigene Bevölkerung nicht beenden. Er will keine Opposition – weder bewaffnete noch unbewaffnete. Wer aufbegehrt, wird per se als Terrorist gebrandmarkt und bekriegt, oder verschwindet in einem Gefängnis. Ungezählte Menschenleben muss er verantworten; getötet durch Granaten, Raketen, Fassbomben, Giftgas.

Fast 18.000 Menschen sind – laut Amnesty International - seit dem Beginn der Aufstände gegen Assad in syrischen Hafteinrichtungen umgekommen. Zu Tode gefoltert, erschlagen, verhungert, verreckt.

Und deshalb wollen die Oppositionellen nicht von ihrer Forderung nach dem Sturz Assads abweichen.

Moskau und Teheran halten am Regime fest

Moskau und Teheran wollen an dem Regime festhalten. Aus verschiedenen Gründen: Teheran, weil es ansonsten die Achse Iran-Irak-Syrien-Libanon mit der Hisbollah gefährdet sähe; Wladimir Putins Moskau will nichts an dem syrischen System ändern, weil Russland über den Syrien-Krieg nach langer Zeit wieder zu einem Machtfaktor im Nahen Osten geworden ist. Und in Syrien darüber hinaus einen Mittelmeerhafen für die russische Flotte nutzen kann.

Die USA sowie die europäischen Staaten sagen, dass sie Assad loswerden wollen; , aber ernsthaft etwas dafür tun, wollen sie nicht. Von Anfang an hatten sie Angst… Davor, dass Syrien ein noch schlimmerer Sumpf werden würde als Afghanistan oder der Irak. Und in den wollten sie keinesfalls geraten… Deshalb haben sie halbherzig die so genannte "Freie Syrische Armee", einen Haufen Deserteure, unterstützt; als angeblich moderate syrische Oppositionskräfte. Die Unterstützung war aber so halbherzig, dass die Deserteure desertiert sind zu den Islamisten.

Präsident Obama ist eine "lame duck"

Und jetzt kann der Westen nichts mehr ändern, selbst wenn er wollte… Am Ende seiner zweiten Amtszeit, kurz vor der Präsidentschaftswahl, ist US-Präsident Barack Obama eine "lame duck". Die europäischen Staaten sind sowieso uneins und/oder mit sich beschäftigt. Und mit den vielen Flüchtlingen aus Syrien.

Nein, der Bericht von Amnesty International wird nichts ändern. Weil niemand das Grauen in Syrien beenden will.

Die Assads – Vater Hafiz wie Sohn Bashar – haben sich seit Beginn ihrer Herrschaft über Syrien durch Brutalität und Rücksichtslosigkeit ausgezeichnet – und keiner hat je versucht, ihnen Einhalt zu gebieten. Der Assad-Clan steht nicht für einen säkularen Staat, in dem die vielen religiösen und ethnischen Gruppen des Landes friedlich zusammenleben!

Vielleicht schafft der Amnesty-Bericht es ja, zumindest genau das den Assad-Verteidigern und Putin-Verstehern, die es auch in Deutschland gibt, klar zu machen.

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