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Zeitfragen | Beitrag vom 14.09.2021

Altersarmut bei Frauen Von der Politik alleingelassen

Von Simona Dürnberg

Porträt von Christel auf dem Sofa sitzend mit Lockenwicklern in den Haaren (Simona Dürnberg/NDR )
Die 87-jährige Christel hat immer viel gearbeitet, doch weil sie alleinerziehend war häufig in Teilzeit und Minijobs. (Simona Dürnberg/NDR )

Die Rentenprognosen werden düsterer in Deutschland, vor allem für Frauen. Sie beziehen schon jetzt durchschnittlich fast 50 Prozent weniger Rente als Männer. Christel und Ursula haben 200 bis 400 Euro monatlich zum Leben. Was läuft da falsch?

Frauen erhalten hierzulande durchschnittlich 46 Prozent weniger Rente als Männer. In keinem anderen europäischen Industrieland ist die Rentenlücke zwischen Männern und Frauen so groß wie in Deutschland.

Inzwischen sind in Deutschland zwar drei von vier Frauen erwerbstätig. Doch noch immer arbeiten vor allem Mütter in Teilzeit. Außerdem verdienen Frauen durchschnittlich 18 Prozent weniger als Männer in gleicher Anstellung. Und das wirkt sich auf die Rente aus: Denn wer im Erwerbsleben weniger einzahlt, bekommt später auch weniger Rente.

Ursula an einem Tisch auf einem Boot am Fenster sitzend (Simona Dürnberg/NDR )Ursula ist gelernte Bankkauffrau, bleibt aber nach der Ausbildung 20 Jahre wegen der Kinder zu Hause. (Simona Dürnberg/NDR )

Das betrifft Frauen wie Ursula, 73 Jahre alt aus Hamburg-Wilhelmsburg. Monatlich hat sie gerade einmal knapp 400 Euro zum Leben. Ursula ist gelernte Bankkauffrau, bleibt aber nach der Ausbildung 20 Jahre wegen der Kinder zu Hause. Dadurch hat sie wenig in die Rentenkasse eingezahlt. Mittlerweile ist sie geschieden, lebt allein. Um ihre Rente aufzubessern, geht sie manchmal bei den Nachbarn putzen.

Ursula mit Simona Duernberg wartend an einer Bushaltestelle (Jan Littelmann/NDR)Die Renterin Ursula, hier mit der Autorin Simona Duernberg, hat monatlich gerade einmal knapp 400 Euro zum Leben.  (Jan Littelmann/NDR)

Oder auch Christel, 1934 bei Berlin geboren: Die 87-Jährige hat immer viel gearbeitet, doch weil sie alleinerziehend war häufig in Teilzeit und Minijobs. Christel stockt ihre Rente deshalb mit Grundsicherung auf und hat damit am Ende pro Monat 200 Euro zum Leben – damit kommt sie durch.

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Die Münchner Kulturwissenschaftlerin Irene Götz hat sich viel mit der weiblichen Altersarmut beschäftigt. Das, was die 87-jährige Christel erzählt, sei ihr in ihren Studien häufig begegnet. Doch dass die Generationen, die im oder nach dem Krieg aufgewachsen sind, häufig so bescheiden und kreativ mit der Armut umgehen – das hält sie für problematisch. Zudem fehle das Bewusstsein, "dass es wirklich Altersarmut gibt. Viele gehen ja noch davon aus, dass in einem reichen Land wie Deutschland Altersarmut ein Randphänomen ist. Dabei geht die Altersarmut bis in die Mittelschichten hinein."

Grundrente – eine Art Aufstockung

Laut Bertelsmann-Studie soll bis 2036 sogar jede dritte alleinstehende Neurentnerin in Armut leben. Anfang 2021 hat deshalb die große Koalition die sogenannte Grundrente eingeführt – eine Art Aufstockung. Sie soll Menschen mit einer geringen Rente eigentlich besserstellen.

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Ein Plan, der laut Johannes Geyer vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung DIW allerdings nicht aufgehen wird: "Grundrente löst das Problem aus meiner Sicht jedenfalls nicht. Es ist ein kleiner Betrag, sehr kompliziert ausgeführt, um ein paar Menschen besser zu stellen. Aber es ist vom Volumen her wahrscheinlich viel zu gering. Und es erwischt auch viele Gruppen einfach überhaupt nicht."

(gekürzte Online-Textfassung)

Die NDR-Doku "Rente: Reiches Land - arme Frauen?" von Simona Dürnberg über Christel und Ursula finden Sie in der ARD-Mediathek.

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