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Interview | Beitrag vom 02.06.2021

Alltagsrassismus in Sachsen-Anhalt"Als nicht-weiße Person war es die Hölle"

Katharina Warda im Gespräch mit Liane von Billerbeck

Eine Mauer mit der Aufschrift "No Way" in Halle an der Saale (Sachsen-Anhalt) im Eingang zu einem Wahllokal für Migranten. Unbekannte hatten den Zugang zu einem Probewahllokal für Migranten in Halle zugemauert, 2016. (picture alliance / dpa / Andreas Manke)
Ein zugemauertes Probewahllokal für Migranten: eines von vielen Beispielen für Alltagsrassismus in Sachsen-Anhalt. (picture alliance / dpa / Andreas Manke)

Hitlergruß vom Nachbarn, rassistische Beschimpfungen: In Sachsen-Anhalt gebe es auf der Straße wieder eine offen rechte Vorherrschaft, sagt Katharina Warda. Die nicht-weiße Deutsche wuchs dort auf und hat vor der Wahl die alte Heimat besucht.

Katharina Warda wuchs als Tochter einer weißen Deutschen und eines nicht-weißen Südafrikaners in Wernigerode auf. "Als nicht-weiße Person war es die Hölle", sagt die 1985 geborene Soziologin über ihre Kindheit in Sachsen-Anhalt.

"Mit der Wiedervereinigung gab es einen explosionsartigen Ausbruch an offener rechter Gewalt auf der Straße."

Hier geht es zur Denkfabrik 2021. Auf der Suche nach dem Wir. (Foto: Deutschlandradio)

Von Gewalt und Beschimpfungen war auch sie betroffen. Sie erinnert sich zum Beispiel an eine Begebenheit, als sie sieben Jahre alt war und auf dem Schulweg. Da "hat mich eine Gruppe junger Frauen verfolgt, mit Steinen beworfen, mit dem N-Wort beschimpft", erzählt Warda. "Ich bin der Sache entkommen, indem ich weggerannt bin, aber da wurde mir als kleines Kind schon klar: Das hier ist lebensbedrohlich."

Auf der Straße herrschen wieder die Rechten

Bis sie 20 war, blieb Warda in Sachsen-Anhalt, wie sie kürzlich der Wochenzeitung "Die Zeit" in einem Interview sagte. Heute ist sie 36 und lebt in Berlin.

Vor der Wahl am Wochenende ist sie noch einmal in ihre alte Heimat zurückgekehrt und hat mit Menschen mit Migrationshintergrund oder Nicht-Weißen über die jetzige Situation gesprochen. Denn die ist offenbar ähnlich schlimm wie Anfang der Neunzigerjahre: 

"Es ist eine Zeit lang besser geworden, aber mittlerweile ist doch ein Zustand eingekehrt, vor allem wenn ich auf Sachsen-Anhalt gucke, aber auch in den anderen Bundesländern, wo wieder offene rechte Hegemonien auf der Straße herrschen", sagt Warda.

So habe ihr beispielsweise eine schwarze Frau erzählt, sie würde von ihren Nachbarn mit Hitlergruß begrüßt. Ihr Mann und ihre Kinder würden auf der Straße mit "Rassenschande" angeschrien. 

Insofern sehe sich diese Frau ständig in der Situation, überlegen zu müssen, wo sie wann überhaupt hingehen könne, "also, dass die Außenwelt einfach gefährlich ist und dass es ganz viel Raum gibt, in dem Menschen ganz offen rechts sein können, ganz offen rassistisch sein können, ganz offen antisemitisch sein können". 

Der Osten ist bunter, als man denkt

Umgekehrt gebe es aber kaum Räume, in denen sich Minderheiten sicher fühlen könnten, beklagt Warda. Und von diesen Minderheiten gibt es ihr zufolge in Ostdeutschland mehr, als es das gängige Klischee vom ethnisch homogenen Osten annimmt: 

"Auch die DDR hatte bereits eine vielfältige kontinuierliche Migrationsgeschichte", betont Warda. "Das Bild ist viel bunter, als man denkt."

Aber die Nicht-Weißen blieben in Ostdeutschland "unsichtbar", weil sie viel weniger in den Alltag integriert seien: "Wo gibt es beispielsweise schwarze Busfahrerinnen oder Lehrer of Color oder Ärztinnen?"

(uko)

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