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Fazit | Beitrag vom 12.10.2020

"Allianz der Universalmuseen" gegründetTreibsatz für das Nachdenken über historische Sammlungen

Thomas Müller-Bahlke im Gespräch mit Vladimir Balzer

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Der Direktor der Franckeschen Stiftungen öffnet eine Schranktür, hinter der barocke Ausstellungsstücke lagern. (picture alliance/Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/ZB)
Zwischen Seestern und Flusspferdzahn: Thomas Müller-Bahlke, Direktor der Franckeschen Stiftungen Halle, in der Kunst- und Naturalienkammer. (picture alliance/Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/ZB)

Barocke Wunderkammern waren die Vorläufer moderner Museen. Häuser in Deutschland, Russland und den Niederlanden gründen jetzt ein Netzwerk, denn sie stehen vor ähnlichen Problemen. Dabei geht es nicht nur um Fragen der Konservierung von Exponaten.

Die "Allianz der Universalmuseen" soll ein Treibsatz sein, sagt Thomas Müller-Bahlke, der Direktor der Franckeschen Stiftungen in Halle (Saale). Es gebe nur noch wenige erhaltene barocke Sammlungen, und diese gelte es zusammenzubringen.

Neben Halle (Saale) gehört noch das Museum von Peter dem Großen, also die "Kunstkamera" in St. Petersburg, und das Teylers-Museum in Haarlem in den Niederlanden zu dem Netzwerk. Allerdings sollten bald weitere Häuser dazukommen, kündigt Müller-Bahlke an: "Wir verstehen uns als eine Gründungsgruppe."

Fürsten und reiche Sammler

All diese sogenannten Wunderkammern würden mit ähnlichen Problemen kämpfen, so Müller-Bahlke. Sie seien meist in der Zeit des Barocks als Liebhaberei von Fürsten oder reichen Sammlern entstanden und darum oft sehr heterogen: "Schon wegen der Vielzahl der Materialien steht man vor großen Herausforderungen bei der Konservierung."

Auch sei die Frage, wie man solche viele hundert Jahre alten Sammlungen dem heutigen Publikum präsentiert. Das habe ganz andere Museumsgewohnheiten, als das früher der Fall war, betont Müller-Bahlke.

Nicht nur "deins" und "meins"

Einer der zentralen Punkte für die Diskussionen sei die Herkunft der Exponate und um ein neues Nachdenken über Herkunft, so Müller-Bahlke: "Es geht darum, über 'dein' und 'mein' in einem ökonomischen Sinne hinwegzukommen."

Probleme bei der Zusammenarbeit habe es nicht gegeben, auch nicht mit den russischen Partnern. "Wir als Kulturakteure müssen miteinander im Gespräch bleiben, unabhängig von der tagespolitischen Konjunktur", betont Müller-Bahlke. Kultur sei das verbindende Element in Europa. "Wenn dieser Gesprächsfaden abreißt, dann haben wir wirklich ein Problem."

(beb)

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