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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 26.05.2017

Ágnes Heller Unbeugsame Philosophin

Ágnes Heller im Gespräch mit Gisela Steinhauer

Die ungarische Philosophin Ágnes Heller; Aufnahme vom Dezember 2011 (picture alliance / dpa)
Die ungarische Philosophin Ágnes Heller (picture alliance / dpa)

Ágnes Heller zählt zu den bedeutendsten Philosophinnen ihrer Zeit. 1929 in Budapest geboren, entkam sie als Jüdin nur knapp einer Deportation. Später emigrierte sie in die USA und beerbte Hannah Arendt auf ihrem New Yorker Lehrstuhl. Und auch heute noch mischt sie sich ein.

Als Jugendliche entging sie knapp, nur durch einen Zufall, ihrer Erschießung durch die faschistischen ungarischen Pfeilkreuzler. Diese betrieben damals das teuflische Spiel, Menschen an der Donau aufzustellen und zu erschießen. Die traumatische Erinnerung daran verarbeitete sie später auf ihre Weise.

"Ich habe mich gezwungen, über die Brücke zu gehen und dabei nicht auf die Donau zu gucken, nur auf die Straßenbahn. Damit habe ich versucht, mich daran zu gewöhnen, nicht mehr von der Donau angezogen zu werden."

Ihr Vater und zahlreiche Verwandte starben im Holocaust. Dieses Erlebnis prägt ihr Leben, ihr Denken, ihre Philosophie bis heute. Die Freiheit, der Wert des Lebens, die Wahlmöglichkeiten des Menschen auch in scheinbarer Unfreiheit und die Würde des Menschen sind die Themen der ungarischen Philosophin Ágnes Heller. Auch unter dem Eindruck von Gewalt und Despotie, sagt sie, bleibt der Mensch grundsätzlich frei zu entscheiden. Ihr Verständnis von Freiheit entwickelte sie schon als Kind.

"Ich tolerierte keine Autorität"

"Ich habe mich mit einer Form von Freiheit identifiziert, ich war ein schlechtes, ein freches Kind, weil ich tolerierte keine Autorität, keine nicht begründete Autorität, also eine Art von Bedürfnis nach Freiheit war in mir immer präsent."

Als junge Wissenschaftlerin wurde sie Assistentin von Georg Lukasz in Budapest. Der Philosoph gab ihr vor allem eine zentrale Erkenntnis mit auf ihren wissenschaftlichen Weg.

"Er hat mich angeregt, die Philosophie als eine Art von Denken zu verstehen, dass ich über alles nachdenken soll. Seine Gedanken waren auch wichtig, aber nicht so wichtig wie die Praxis des Denkens."

Später emigrierte sie in die USA und beerbte Hannah Arendt auf ihrem Lehrstuhl für Philosophie in New York. Heute pendelt sie zwischen den Kontinenten und ist eine entschiedene Gegnerin der ungarischen Regierung unter Victor Orbán, die für sie einen Rückfall in undemokratische Zeiten in Ungarn bedeuten. Als Philosophin mischt sie sich trotz aller Anfeindungen ein – und denkt, spricht und schreibt weiter: Über Vorurteile und die Grundlagen für Menschliches und Unmenschliches, über Utopien, Dystopien und die Frage, was wir uns wünschen können.

Ágnes Heller ist zu Gast bei Gisela Steinhauer "Im Gespräch" von Deutschlandfunk Kultur, am 26. Mai 2017 ab 9:07 Uhr.

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