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Studio 9 - Der Tag mit ... | Beitrag vom 26.03.2021

AfD in CoronazeitenEine Partei, die Antworten schuldig bleibt

Nadine Lindner im Gespräch mit Korbinian Frenzel

Die Fraktionsvorsitzenden der AfD, Alice Weidel und Alexander Gauland, geben eine Pressekonferenz. (picture alliance/dpa/Kay Nietfeld)
Die AfD-Fraktionschefs, Alice Weidel und Alexander Gauland: Die Partei setze auf den "Unmut der Bevölkerung", um in der Coronakrise "abzuräumen", sagt Nadine Lindner. (picture alliance/dpa/Kay Nietfeld)

Das Hin und Her im Corona-Krisenmanagement der Bundesregierung spielt der AfD bisher nicht in die Hände. Zuletzt fuhr die Partei sogar Verluste ein. Doch sie habe ihre Stammwählerschaft, sagt Hauptstadt-Korrespondentin Nadine Lindner.

Oster-Kehrtwende, Maskenaffäre, Gezerre bei den Bund-Länder-Runden: Die Corona-Politik kommt bei der Bevölkerung immer schlechter an. Das schlägt sich in Umfragen nieder, wie zuletzt im ZDF-Politbarometer: Da sahen sich 55 Prozent der Befragten schlecht durch die Krise geführt. Die Union rutschte um sieben Prozentpunkte ab.

Nadine Lindner, Deutschlandradio Hauptstadtstudio, Juli 2019 (Deutschlandradio / Anja Schäfer)Nadine Lindner, Hauptstadtkorrespondentin des Deutschlandradio (Deutschlandradio / Anja Schäfer)

Vom wachsenden Verdruss profitieren vor allem die Grünen, die AfD dagegen kaum. Die Partei bleibe in der Pandemie "sehr viele Antworten schuldig", sagt unsere Hauptstadtkorrespondentin Nadine Lindner. Allerdings verfolge sie auch dezidiert einen Kurs des Abwartens - "bis der Unmut in der Bevölkerung groß genug ist, bis auch die wirtschaftlichen Schäden sichtbar sind". Dann wolle die AfD "abräumen". 

Verluste bei Landtagswahlen

Zuletzt freilich verlor sie bei den Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg, dort sogar ein Drittel ihrer Wähler. Gleichwohl sei "völlig klar", dass die AfD ihre Stammwählerschaft habe, betont Lindner. Nicht ausgeschlossen also, dass sie mit ähnlichem Ergebnis wie 2017, als sie auf 12,6 Prozent kam, wieder in den nächsten Bundestag einziehe.

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Die frühere Landeskorrespondentin in Sachsen beobachtet insgesamt "eine Form der Verhärtung und der Radikalisierung", die ihr Sorgen bereite, wie sie sagt. Sie hat dafür ein Beispiel aus ihrem früheren Berichtsgebiet: Im sächsischen Löbau werde das Impfzentrum mittlerweile wie ein Flughafen gesichert, um sich vor "unliebsamen Besuchern", die auch schon mal ein Messer dabei hätten, zu schützen. Lindner warnt davor, die Szene aus rechtsextremen Kräften und so genannten Querdenkern "weiterhin zu unterschätzen".

(bth)

Seit 2016 ist Nadine Lindner Korrespondentin im Hauptstadtstudio des Deutschlandradio. Zuvor berichtete sie zweieinhalb Jahre als Landeskorrespondentin aus Sachsen. Lindner studierte Politikwissenschaft, Journalistik und Afrikanistik in Leipzig.

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