Seit 18:05 Uhr Nachspiel. Feature

Sonntag, 17.11.2019
 
Seit 18:05 Uhr Nachspiel. Feature

Zeitfragen | Beitrag vom 02.09.2019

Älterwerden - ein FamiliengesprächWenn man plötzlich die Jahre zählt

Von Stefanie Müller-Frank

Beitrag hören Podcast abonnieren
Eine Großmutter und ihr Enkelkind, Wange an Wange. (PhotoAlto / dpa)
Irgendwann beginnen die Jahre, schwerer zu wiegen. (PhotoAlto / dpa)

Keine Frage: Wir werden alle älter. Aber wer möchte daran erinnert werden? Autorin Stefanie Müller-Frank hat sich mit einer Familie zusammengesetzt, um über das unliebsame Thema zu sprechen. Die Eltern sind Anfang 60, die Töchter um die 30.

Gerade da, wo wir am direktesten mit dem Thema konfrontiert sind, fallen die Gespräche über das Älterwerden am schwersten.

Wie spricht man es an, wenn die eigenen Eltern gebrechlich werden und sich die Rollen umkehren? Was, wenn man plötzlich an sich selbst merkt, dass man anfängt, die Jahre zu zählen? Verändert einen das Älterwerden tatsächlich – oder sind das nur die Erwartungen von außen? Und kann das vielleicht sogar entlastend sein?

Die Autorin Stefanie Müller-Frank hat eine Familie gefunden, die bereit war, sich gemeinsam an einen Tisch zu setzen und gegenseitig zuzuhören. Alle vier sind sie in einer Lebensphase, die einen Umbruch in ihrem Leben verspricht. Die Eltern Mitte 60, kurz vor und kurz nach der Rente, die beiden Töchter Anfang 30, die jüngere von beiden selbst bald Mutter.

"Ein Abschiednehmen von Möglichkeiten"

Was bei diesem Gespräch auf den Tisch kommt, ist auch für die Familie selbst überraschend: "Ich finde, vor allem Papa zu hören, spannend", sagt Julia – eine der Töchter. "Weil mir die Gedanken neu sind, dass er darüber nachdenkt, wie es für ihn ist, älter zu werden." Schließlich gehe ihr Vater noch auf Musikfestivals, penne im Auto. "Also ich erlebe meinen Papa schon so, dass er manchmal so Dinge tut, die vielleicht eher Leute tun, die noch jünger sind."

Und doch vergehe kaum eine Stunde, in der er nicht über das Alter nachdenke, sagt Thomas, Julias Vater.  "Dieser Gedanke: Alt, Restlaufzeit, und was blüht einem da alles noch? Das ist so mit Ende 50 gekommen. Vielleicht hing das auch damit zusammen, dass ein guter Freund von uns verstorben ist, der noch jünger war. Das hat so einen Schalter umgelegt."

"Ich finde ganz konkret, ich muss viele Sachen im Alter nicht mehr machen", sagt Claudia, die Mutter. "Alleine in Urlaub fahren? Muss ich nicht mehr haben. Mich wegen Kleinigkeiten streiten? Ist das Leben zu kurz für. Ich glaube, das vereinfacht manches."

(lk)

Einige Zitate aus der Sendung stammen aus dem Essay "Endlich nicht mehr jung sein" von Dirk Gieselmann. Erschienen ist der Text im Magazin der "Süddeutschen Zeitung" Ende November 2017.

Die Erstausstrahlung des Features von Stefanie Müller-Frank war am 26.11.2018.

Zeitfragen

Wohnen und SchreibenWie wir leben wollen
Zelte stehen auf einem kleinen Grünstreifen vor einer Häuserwand. Das Grafitti verweist auf die steigenden Mietpreise in Berlin. (AFP/ David Gannon)

Früher ließen steigende Brotpreise Gesellschaften auseinanderbrechen. Heute sind es Mieten. Sie steigen nicht nur in Szenevierteln und nicht nur für Reiche, sondern überall. Wie wollen wir leben?, fragen sich Schriftstellerinnen und Schriftsteller.Mehr

Der Hund und wirEine tierisch große Liebe
Ein Hund auf dem Arm seiner Besitzerin in einem aufeinander abgestimmten, rosa Kostüm. (Getty Images / Eduardo Munoz Alvarez)

Hunde sind die besseren Menschen – behaupten jedenfalls so einige Tierliebhaber. Das mag übertrieben sein. Aber Hunde sind ziemlich gute Beziehungsberater. Denn in Sachen Kommunikation und Zusammenleben können wir noch einiges von ihnen lernen.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur