Donnerstag, 16.07.2020
 

Lesart | Beitrag vom 09.06.2020

Adele Brand: „Füchse – Unsere wilden Nachbarn“Die genügsamen Wildtiere von nebenan

Von Susanne Billig

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Ein Fuchs schnüffelt an einer Straßenmarkierung. (Unsplash / Erik Mclean)
Füchse leben mit und um den Menschen herum. (Unsplash / Erik Mclean)

Von Nordamerika aus haben sie die ganze Welt erobert: Heute begegnet man sogar in der Großstadt entspannt schlendernden Rotfüchsen. Wie die Tiere durchs Leben kommen, erzählt Adele Brand: informativ, kurzweilig, lustig.

Dreimal pro Woche klingelt bei der Londoner Polizei das Telefon mit einem Fehlalarm, weil aufgeregte Bürger entsetzliche Schreie hören und davon überzeugt sind, einen Mord verhindern zu müssen. Fuchsstimmen können sich in schrillste Tonlagen schrauben, erzählt Adele Brand in "Füchse". Ihr Buch bietet jede Menge wissenschaftliche Informationen über die wilden Verwandten der Haushunde und erzählt von erstaunlichen persönlichen Begegnungen.

Füchse sind keine Haustiere

So vertraut den meisten Menschen der Anblick eines Rotfuchses ist, so wenig wissen sie über seine Lebensweise und vielschichtige Kommunikation. Adele Brand hat ihr Herz schon in ihrer Kindheit an Füchse verloren und erforscht sie heute als Ökologin auf mehreren Kontinenten.

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Stilistisch wunderbar entspannt wandert sie durch eine breite Palette an Themen – von der Evolutionsgeschichte des Fuchses über seine komplexen Sozialbeziehungen bis hin zu Internet-Dauerbrennern: Greifen Füchse Menschen an? Extrem selten. Übertragen sie Bandwürmer? Das tun auch Hund und Katze. Sind sie coole Haustiere? Ein einzelner Spritzer Fuchsurin stinkt so penetrant, dass man den Teppichboden auswechseln möchte.

Von Texas aus in die ganze Welt

Die Evolutionsgeschichte des Fuchses, so erfährt man, hat in Nordamerika begonnen, wo die entfernten Vorfahren aller Hunde vor 50 Millionen Jahren in einem Dschungel im heutigen Texas als kleine Allesfresser lebten. Die Absenkung der Meeresspiegel während der Eiszeiten schuf eine Verbindung zu anderen Kontinenten, sodass die Hundeartigen sich als Exportschlager Nordamerikas über die ganze Welt verbreiten konnten.

Doch wie genau können Rotfüchse in Großstädten überleben? Dem forscht die Autorin in einem spannenden Kapitel nach. Grundsätzlich brauchen die Tiere nicht viel: einen Unterschlupf als Schutz vor Wetter und Feinden und etwas Futter. Dazu muss man wissen, dass hiesige Füchse gerade einmal sechs bis sieben Kilogramm wiegen – nicht viel mehr als eine Katze.

Entspannt in der Großstadt

Täglich eine Ratte oder die Reste von ein paar Burger-mit-Pommes-Mahlzeiten reichen ihnen, um durch den Tag zu kommen. "So viel Nahrung", erklärt Adele Brand, "fällt auch noch in den trostlosesten Städten ab." Rückzugsorte kennen Füchse auf ihrem Territorium viele – in Böschungen, unter Holzterrassen, auf den Dächern von Treibhäusern oder in stillen Winkeln hinter Häusern.

Das Cover von Adele Brands “Füchse - Unsere wilden Nachbarn” vor Deutschlandfunk Kultur Hintergrund. (C.H.Beck / Deutschlandradio)Adele Brand: “Füchse - Unsere wilden Nachbarn" (C.H.Beck / Deutschlandradio)

Wenn Füchse bei Begegnungen mit Menschen so gelassen bleiben und gelegentlich sogar mal Straßenbahn fahren, liegt es daran, dass sie ihre Fluchtwege sehr genau kennen und wissen, durch welches Loch sie blitzschnell verschwinden können.

Ein Buch zum Schmökern

Informativ, kurzweilig, lustig – wer von wilden Tieren in der Zivilisation fasziniert ist, wird dieses Buch in wenigen Stunden begeistert schmökern. Auf ihrer Webseite bietet die Ökologin ergänzende Informationen, darunter zum Anklicken die zur Laute eines Fuchses.

Leserinnen und Leser kommentieren, wie das für sie klingt. Die Eindrücke reichen von "Affe", "Waschbär" und "Papagei" über "Bigfoot-Monster" und "niesender Hund" bis hin zu: "Hört sich an wie meine Ex-Frau".

Adele Brand: "Füchse – Unsere wilden Nachbarn"
Übersetzt aus dem Englischen von Beate Schäfer
C.H. Beck/ München 2020
208 Seiten, 22 Euro

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