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Fazit | Beitrag vom 06.06.2018

Adámek-Uraufführung in MünchenEigenwillig und eigenartig

Jörn Florian Fuchs im Gespräch mit Eckhard Roelcke

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Ein Mann liegt auf einem Erdhaufen und guckt traurig. Uraufführung von "Alles klappt" im Residenztheater München. (Armin Smailovic)
Er sieht so aus, als würde nicht alles klappen. Uraufführung von "Alles klappt" im Residenztheater München. (Armin Smailovic)

"Alles klappt" – so heißt die neue Komposition des Tschechen Ondřej Adámek, die jetzt während der Münchener Biennale für zeitgenössisches Musiktheater ihre Uraufführung feierte. Dabei geht es um jüdisches Erbe und Totenbeschwörung.

Auf der Bühne im Marstall des Residenztheaters München sieht man Archivare, einen Treuhandverwalter und ein Überwachungshäuschen. Die Personen sehen trotz des optimistischen Titels "Alles klappt" eher pessimistisch aus, sagte im Deutschlandfunk Kultur unser Kritiker Jörn Florian Fuchs.

Einerseits geht es um Archivmaterial des Jüdischen Museums in Prag, wo der Großvater von Ondřej Adámek gearbeitet hat. "Natürlich ahnt man schon, dass im Hintergrund der Inhaberinnen und Inhaber dieser Gegenstände Fluchtgeschichten stehen", so Fuchs.

Gegenstände erzählen Geschichten

Andererseits sieht der Zuschauer auf der Bühne Totenbeschwörungen. "Die Archivare, die wir auf der Bühne erleben, fassen die einzelnen Gegenstände an, und dann begeben sie sich in diese Geschichten hinein."

Auch der Komponist spielt mit, er sitzt in einem Wachhäuschen auf der Bühne und singt sogar. Das sei sehr eigenwillig, manchmal auch eigenartig, so Fuchs. "Das ist unglaublich gut musikdramaturgisch in den ersten 30 bis 40 Minuten gestaltet. Da funktioniert jede Nuance."

Zum Schluss prätentiös

Auch Geräusche kommen zum Einsatz: Es werden Dinge ein- und wieder ausgepackt, man hört Folie reißen, dieses Geräusch sei Teil der Komposition. "Was ich ein bisschen schwierig finde, dass es sich über die 75 Minuten sehr erschöpft. Es  haben sich die Themen erschöpft, und es ist musikalisch auch alles mindestens doppelt oder dreifach gehört worden."

Zum Schluss werde es etwas prätentiös, so Fuchs. Insgesamt sei der Abend aber keine Enttäuschung. Das Stück sei authentisch, so der Kritiker. Im Rahmen der Biennale eines der spannenderen Projekte.

Alles klappt
Musiktheater von Ondřej Adámek und Katharina Schmitt
Regie: Katharina Schmitt
Musikalische Leitung: Ondřej Adámek
Residenztheater München in Kooperation mit der Münchener Biennale
Premiere am 6. Juni 2018
Mehr zum Thema

Neue Musik aus Mittel- und Osteuropa - Klangwelten, die für sich sprechen
(Deutschlandfunk, Die neue Platte, 23.10.2016)

Münchener Biennale - Klischees statt Avantgarde
(Deutschlandfunk Kultur, Fazit, 08.05.2014)

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