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Buchkritik | Beitrag vom 17.01.2020

Adam Hart-Davis: "Pawlows Hund" & "Schrödingers Katze"Zwei Bücher gegen die Berührungsangst

Von Gerrit Stratmann

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Die Cover von zwei Büchern von Adam Hart-Davis sind auf orange-weißem Hintergrund zu sehen.  (Cover: Knesebeck Verlag )
Der Chemiker und Wissenschaftsautor Adam Hart-Davis beschreibt jede Menge Experimente auf drei Seiten. (Cover: Knesebeck Verlag )

Die Wissenschaft verdankt ihren Erfolg nicht zuletzt ihrer Methodik: Adam Hart-Davis erinnert gekonnt an experimentelle Meilensteine aus Psychologie und Physik.

Schon die chronologische Anordnung der Bücher ist aufschlussreich. Während die Psychologie sich erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als eigenständige Wissenschaft formiert (Adam Hart-Davis beginnt "Pawlows Hund" mit Charles Darwins genauen Verhaltensstudien von Regenwürmern), reichen die ersten physikalischen Experimente in "Schrödingers Katze" zurück bis weit in die Antike.

Schon im 3. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung bestimmte Archimedes die Dichte von Stoffen und Eratosthenes errechnete aus klugen Messungen den Umfang der Erde. Nach den Griechen herrscht bei Adam Hart-Davis 1200 Jahre lang gähnende Leere. Erst ab dem 11. Jahrhundert kommt das systematische Befragen der Natur offenbar langsam wieder in Mode. Der Schwerpunkt des zweiten Buches liegt dann auf Experimenten ab etwa 1800 bis heute.

Klassische Versuche knapp und anschaulich erklärt 

Der vor allem in England bekannte Chemiker und Wissenschaftsautor Adam Hart-Davis widmet jedem Experiment knappe drei Seiten. Trotz dieser Seitenbeschränkung gelingt es ihm, die Versuche sehr anschaulich darzustellen. Auf psychologischer Seite finden sich Klassiker aus der Verhaltens- und Kognitionsforschung, wie Pawlows titelgebende Konditionierung von Hunden, Piagets Erkenntnisse zur Kindesentwicklung oder Milgrams Untersuchung zum menschlichen Gehorsam.

Das Physik-Buch versammelt fundamentale Erkenntnisse zur Optik und den Eigenschaften des Lichtes, zum Verständnis der Gravitation, zur Elektrizität oder der Struktur der Materie. Dabei lässt sich in beiden Fachgebieten trefflich staunen über die manchmal verblüffend einfachen und dann wieder ausgeklügelt-anspruchsvollen Versuchsaufbauten.

Lädt ein zum Blättern und Staunen

Ins Auge fällt vor allem die gelungene Gestaltung der Bücher. Es gibt kaum eine Seite, auf der nicht eine erklärende Skizze oder wenigstens eine farbige, assoziative Collage zu den jeweiligen Versuchen abgebildet wäre. Das lädt ein zum Blättern und Staunen. Damit sind die Bücher hervorragend geeignet für Neugierige, die schnell einen ersten Einblick in wegweisende Themen und Fragestellungen der beiden Fachgebiete erhalten wollen. Hier kann Adam Hart-Davis mit seinen gut lesbaren Kurzbeschreibungen punkten.

Für Leserinnen und Leser, die tiefen gehen wollen, ist das mitunter zu wenig. Nicht zuletzt, weil die Beschränkung aufs Experiment die Fachgebiete nur lückenhaft wiedergibt. Wegweisende theoretische Überlegungen, wie zum Beispiel Freuds Psychoanalyse, finden nur am Rande Erwähnung. Trotzdem: als Einstiegslektüre und auch um Berührungsängste beim schwierigen Thema Physik abzubauen sind "Pawlows Hund" und "Schrödingers Katze" genau richtig.

Adam Hart-Davis: "Pawlows Hund und 49 andere Experimente, die die Psychologie revolutionierten" 
Aus dem Englischen von Claire Roth
Knesebeck, München 2019
176 Seiten, 16 Euro

Adam Hart-Davis: "Schrödingers Katze und 49 andere Experimente, die die Physik revolutionierten" 
Aus dem Englischen von Hanna Lemke
Knesebeck, München 2019
176 Seiten, 16 Euro

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