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Interview / Archiv | Beitrag vom 06.06.2016

Abgang mit AnsageGauck erklärt Verzicht auf zweite Amtszeit

Korrespondent Gerhard Schröder im Gespräch mit Anke Schaefer und Christopher Ricke

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Bundespräsident Joachim Gauck in dunklem Anzug vor dunklem Hintergrund  (dpa/Michael Kappeler)
Er hat sich entschieden: Eine Amtszeit reicht. (dpa/Michael Kappeler)

Bundespräsident Joachim Gauck hat seinen Verzicht auf eine zweite Amtszeit erklärt, der Schritt war in den letzten Tagen erwartet worden. Als Gründe führte er seine Gesundheit und sein Alter an.

Bundespräsident Gauck trat um 12 Uhr im Schloss Bellevue vor Kameras und Mikrofone und verkündete, dass er für eine zweite Amtszeit nicht mehr zur Verfügung steht.

Diese Entscheidung sei ihm nicht leicht gefallen, sagte Gauck, der sein Alter als Begründung für den Rückzug nannte. Gauck ist inzwischen 76 Jahre alt. Für ihn sei es eine große Ehre, dem Land zu dienen, und er freue sich auf die nächsten Monate, sagte der Bundespräsident. Er werde das Amt die verbleibenden Monate mit großer Leidenschaft ausfüllen.

Unser Hauptstadtkorrespondent Gerhard Schröder sagte zu Verzicht Gaucks auf eine zweite Amtszeit als Bundespräsident, dieser habe Deutschland gut repräsentiert und sei authentisch gewesen. Zudem habe er sich immer wieder nachdrücklich eingemischt. Freiheit und Gerechtigkeit seien seine Themen gewesen.

Beschädigtes Amt: Gauck hat "die Wunden geheilt"

Schröder erinnerte an Gaucks Vorgänger Horst Köhler und Christian Wulff, die beide "nicht rühmlich" aus dem Amt geschieden seien. Das habe das Amt beschädigt. Hier habe Gauck mit seiner Amtsführung nun die "Wunden geheilt".

Vor Gaucks Erklärung war bereits am Wochenende munter über die Nachfolge spekuliert worden. Bundestagspräsident Norbert Lammert kritisierte dies am Vormittag mit deutlichen Worten: "Es ist absolut respektlos, eine Debatte über die Nachfolge zu führen, bevor dieser sich überhaupt erklärt hat." Zuerst hatte die "Bild" berichtet, Gauck wolle nicht mehr anzutreten.

Joachim Gauck war im März 2012 von CDU, CSU, FDP, SPD und Grünen in das höchste deutsche Staatsamt gewählt worden. Der ehemalige Pfarrer und Leiter der Stasi-Unterlagenbehörde stammt aus Rostock.


Vor allem für die großen Volksparteien wird es nicht leicht, einen neuen Kandidaten oder eine Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten zu finden.

Hören Sie dazu den Beitrag von Katharina Hamberger, aus Studio 9, 12:16 Uhr:

"Er möchte gehen, wenn es am schönsten ist, er hat sich hohes Ansehen durch alle Parteien hinweg erworben. 70 Prozent der Bundesbürger hätten sich gewünscht, dass er weiter Bundespräsident bleibt."

Hören Sie auch das Gespräch mit unserem Korrespondeten Frank Capellan:

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