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Interview | Beitrag vom 28.07.2020

Abfallexperte zur neuen Müll-Studie"Von einem geschlossenen Stoffkreislauf kann nicht die Rede sein"

Henning Wilts im Gespräch mit Axel Rahmlow

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Mülltonnen stehen zur Entleerung auf dem Gehweg. (imago / Norbert Schmidt)
Nur ein Drittel der Dinge, die in der schwarzen Restmülltonne landen, gehört tatsächlich dort hinein. (imago / Norbert Schmidt)

Viel zu viel Müll landet in Deutschland in der schwarzen Restmüll-Tonne. Das ergab eine Studie des Umweltbundesamtes. Der Abfallexperte Henning Wilts vom Wuppertal-Institut rät, nach dem Vorbild der PET-Flaschen mehr auf Pfandsysteme zu setzen.

Altglas, Altpapier, organische Abfälle, sogar Batterien: All das landet im Land der vermeintlichen Weltmeister der Mülltrennung viel zu oft in der Restmüll-Tonne. So ergab eine aktuelle Studie des Umweltbundesamtes, dass nur ein Drittel des Mülls, der in der schwarzen Tonne landet, dort auch wirklich hingehört. 

Auch Henning Wilts, Abteilungsleiter Kreislaufwirtschaft beim Wuppertal-Institut, stellt Deutschland bestenfalls ein gemischtes Zeugnis aus, was Umgang mit Müll angeht. 

So sei man hierzulande sehr gut darin, sicherzustellen, dass Müll nicht einfach in der Landschaft endet. Die Frage sei jedoch: "Wie wird recycelt? Erfüllen wir die Quote oder tun wir das so, dass am Ende dann auch jemand das, was da rauskommt, also die recycelten Rohstoffe, wieder einsetzen möchte?", sagt Wilts. "Und da haben wir, glaube ich, noch viel Luft nach oben."

So seien lediglich 10 bis 15 Prozent der Industrie eingesetzten Rohstoffe Recyclingprodukte: "Das heißt, 85 Prozent ist immer noch Neuware. Und da sieht man, dass von einem geschlossenen Stoffkreislauf eigentlich noch überhaupt nicht die Rede sein kann."

Die Hälfte des Mülls aus der Gelben Tonne wird verbrannt

Auch die Logik, nach der der Gelbe Sack befüllt werden soll, nämlich nach Funktion – Verpackung – und nicht nach Material ist Wilts zufolge ein Problem. Denn so landeten zum Teil nicht recyclingfähige Verpackungen in der Gelben Tonne. Umgekehrt muss manches recyclingfähige Plastik in den Hausmüll, weil es keine Verpackung ist. 

Letztlich ende die Hälfte des Mülls aus dem gelben Sack in der "thermischen Verwertung", sprich: Verbrennungsanlage. Das sei zwar immer noch besser als Deponieren, meint Wilts. "Aber hat natürlich wenig mit Kreislauf zu tun."

Dass es auch anders und besser geht, zeigen dem Abfallexperten zufolge das Pfandsystem mit PET-Flaschen. "Da funktionieren das Recyceln und der Kreislauf wunderbar", betont Wilts.

"Und da müsste man tatsächlich auch überlegen, ob es nicht auch andere Produkte gibt, wo es Sinn haben könnte, den Leuten einen Anreiz zu geben, zum Beispiel wie so ein Pfand, das separat zu erfassen. Dann lässt sich wirklich hochwertig recyceln und neues Material ersetzen."

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