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Lesart / Archiv | Beitrag vom 21.03.2019

Abbas Khider über "Deutsch für alle""Alle Verben müssen untrennbar werden"

Abbas Khider im Gespräch mit Joachim Scholl

Der Schriftsteller Abbas Khider im "Lesart"-Interview auf der Leipziger Buchmesse 2019 (Deutschlandradio / Andreas Wünschirs)
Abbas Khider kennt die Tücken des Deutschlernens: Er kam als Geflüchteter aus dem Irak. (Deutschlandradio / Andreas Wünschirs)

Deutsch lernen im Erwachsenenalter ist schwer – und dem deutsch-irakischen Schriftsteller Abbas Khider dauert es zu lang. Er schlägt in "Deutsch für alle" eine wagemutige Reform der deutschen Sprache vor. Eine Forderung: Die Umlaute müssen weg.

"Die deutsche Sprache ist tatsächlich ein Ungeheuer", sagt der deutsch-irakische Schriftsteller Abbas Khider – und sieht Handlungsbedarf. Er schlägt in seinem neuen Buch "Deutsch für alle. Das endgültige Lehrbuch" eine wagemutige Reform unserer Sprache vor.

Zuerst: Die Umlaute müssen weg. Abbas Khider macht im Gespräch mit Deutschlandfunk Kultur auf der Leipziger Buchmesse vor, wie schwer es ihm fällt, Worte wie "Mönch" auszusprechen. Aber das sei nicht das einzige Problem. "In der deutschen Sprache gibt es Deklination und Verbflektion zugleich. Das heißt, ein deutscher Satz wird geknetet, geboxt – und geballert. Bis man einen deutschen Satz aussprechen kann, dafür braucht man drei Jahre!"

Abbas Khider macht in "Deutsch für alle" Verbesserungsvorschläge, um in drei Wochen kommunizieren zu können. Denn: "Es gibt Menschen, die gezwungen sind, irgendwo in der Fremde zu leben, und dann müssen sie auch mit den Menschen kommunizieren. Ohne Sprachkenntnisse verpasst man das Leben, die Kultur und Mitmenschen."

Zu viele Artikel, zu viele Ausnahmen

Er selbst ist im Irak geboren, saß unter Saddam Hussein im Gefängnis, flüchtete über afrikanische Länder schließlich nach Deutschland – das war vor gut 20 Jahren. Sein erstes Buch – auf Deutsch geschrieben – erschien 2008 unter dem Titel "Der falsche Inder". Er kennt also die Tücken des Sprachenlernens.

Buchcover: Abbas Khider: „Deutsch für alle. Das endgültige Lehrbuch“ (Buchcover: Hanser Verlag, Foto: Deutschlandradio-Maurice Wojach)Buchcover: Abbas Khider: „Deutsch für alle. Das endgültige Lehrbuch“ (Buchcover: Hanser Verlag, Foto: Deutschlandradio-Maurice Wojach)

Auch auf Artikelebene sieht er Reformbedarf. Aus "der, die, das" macht Abbas Khider "de". "Die Bayern machen das schon seit Jahrzehnten", sagt Khider. "Es existiert schon in der deutschen Sprache." Man müsse zu viel auswendig lernen, um die deutsche Sprache zu sprechen.

Und: Unregelmäßige Verben müssen weg. Also statt "er schrieb", "er schreibte". "Ein Fremder fragt sich, warum nicht 'geht, gehte, gegeht'?", wundert sich Khider. Auch trennbare Verben stellten Nicht-Muttersprachler vor große Probleme:

"Warum heißt es: 'Das Kind steht auf'? Warum steht das 'auf' da? Warum trennen sich die Dinge in der deutschen Sprache? Ist es nicht genug, dass wir so viele Alleinerziehende in der Gesellschaft haben? Ich mache das für die Familie in der deutschen Gesellschaft: Alle Verben müssen untrennbar werden!"

Abbas Khider: Deutsch für alle. Das endgültige Lehrbuch
Hanser, München 2019
128 Seiten, 14 Euro

(cwu)

Illustration des Messegeländes in Leipzig mit fliegenden Büchern, die auf das Messegebäude zufliegen. Darauf steht der Text: Leipziger Buchmesse. Die besten Bücher des Frühlings. © Foto: Bianca Schaalburg

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