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Lesart | Beitrag vom 16.07.2021

70 Jahre "Der Fänger im Roggen""Ein Roman mit einer ganz klaren Stimme"

Clemens J. Setz im Gespräch mit Joachim Scholl

Der Schriftsteller Jerome David Salinger, 1951. (imago / ZUMA Press)
Jerome D. Salingers "Fänger im Roggen" erschien am 16. Juli 1951. Seitdem haben Millionen junger Menschen das Buch gelesen. (imago / ZUMA Press)

Mit seinem Roman "Der Fänger im Roggen" traf Jerome D. Salinger über viele Generationen hinweg genau die Stimmung heranwachsender junger Menschen. Heute würde das Buch wahrscheinlich nicht mehr so funktionieren, sagt der Autor Clemens J. Setz.

Vor 70 Jahren erschien Jerome D. Salingers moderner Klassiker "Der Fänger im Roggen". Der Schriftsteller Clemens J. Setz sagt heute: "Ich war begeistert und hypnotisiert von dem Sound. Das ist ein Roman mit einer ganz klaren Stimme, die direkt zu einem spricht. Das macht wahrscheinlich auch die Wirkung aus."

Setz war bereits Anfang Zwanzig, als er das Buch zum ersten Mal las. Seitdem hat er sich intensiv mit Salingers literarischem Werk beschäftigt.

Begeistert von Holden Caulfield 

Wie Setz auch waren Millionen junger Leser von Holden Caulfield, dem Helden und Erzähler des Romans, begeistert. Das liege wahrscheinlich daran, dass Caulfield darum ringt, angenommen und akzeptiert zu werden und gleichzeitig autonom zu bleiben und sich nicht "von der blöden Erwachsenenwelt korrumpieren zu lassen", meint Setz.

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Zugleich könne man den Charme dieser Figur des Holden Caulfield nur in der sicheren Zone eines Buches toll finden. Im echten Leben wäre er uns sicherlich eher unangenehm, meint Setz. Er würde heute sicherlich als Versager oder Querkopf wahrgenommen. Auf keinen Fall wäre er jemand, der auf Twitter viele Follower hätte.

Die Paradoxien des Erwachsenwerdens

Auch wenn das Buch ein zeitloser Klassiker ist, glaubt Setz nicht, dass es heute noch Jugendliche auf dieselbe Weise erreicht wie vor 20 oder 30 Jahren. "Heute besteht das Angepasstsein darin, sich ständig und auch öffentlich so wie ein Holden Caulfield zu geben." Dieses "sei individuell, sei du selber" sei heute verbreiteter.

Porträt von Clemens Setz. Er trägt eine Brille und einen Vollbart und blickt direkt in die Kamera. (Imago / gezett)Clemens Setz las "Fänger im Roggen" und hat sich seitdem intensiv mit J.D. Salingers literarischem Werk beschäftigt. (Imago / gezett)

Das Buch sei natürlich viel feiner, viel nuancierter, mit viel mehr Poesie. Auf der oberflächlichen, populären Ebene würde es daher vielleicht gar nicht mehr so funktionieren. Er habe den Eindruck, dass die Paradoxien des Erwachsenwerdens, des einerseits Dazugehörenwollens und andererseits des Auflehnens gegen die Gesellschaft heute völlig anders gemischt seien als im Roman "Der Fänger im Roggen", meint Setz.

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