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Konzert / Archiv | Beitrag vom 11.12.2019

5. Internationaler BeethovenpreisDer ausgezeichnete Igor Levit

Moderation: Volker Michael

Der Pianist Igor Levit beim Festkonzert am 6.12.19 in der Bad Godesberger Erlöserkirche. Dort wurde ihm der 5. Internationale Beethovenpreis überreicht. (David Ertl/Beethoven Academy)
Igor Levit bedankte sich für den Beethovenpreis mit der 10. Klaviersonate des Namensgebers (David Ertl/Beethoven Academy)

Der Pianist Igor Levit erhält den diesjährigen Internationalen Beethovenpreis für sein politisches Engagement vor allem in den sozialen Netzwerken. Ein anspruchsvolles Festkonzert fand zu seinen Ehren in der Godesberger Erlöserkirche statt.

Ein Preis im Namen Beethovens für besonderes Engagement, das über das reine Musikmachen hinausgeht, in einem Festkonzert in der Evangelischen Erlöserkirche in Bonn Bad Godesberg wurde am Nikolaustag 2019 der deutsche Pianist Igor Levit geehrt. Bereits zum fünften Mal wurde in Beethovens Geburtstadt der Internationale Beethovenpreis für Menschenrechte verliehen. Nach dem Palästinenser Aeham Ahmad, dem Türken Fazil Say, dem Kölner Wolfgang Niedecken und der Venezolanerin Gabriela Montero war nun Igor Levit an der Reihe.

Politischer Pianist im Sinne Beethovens

Der Preis wird den von einer privaten Initiative – der Beethoven Academy Bonn– getragen und verliehen. Ihre Leitlinien sind dabei Menschenrechte, Frieden, Freiheit, Armutsbekämpfung und Inklusion. Vorjahrespreisträgerin Gabriela Montero hatte Igor Levit der unabhängigen Jury vorgeschlagen. Der in Hannover ausgebildete Pianist macht immer wieder mit deutlichen politischen Statements in den neuen Netzwerken, aber auch in den traditionellen Medien von sich Reden. Er äußert sich nicht nur zu Rassismus, Rechtsextremismus und Hass, sondern zum Beispiel auch zur Klimapolitik der Bundesregierung und hat jüngst den neugewählten Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Hannover, Belit Onay, in dessen Wahlkampf unterstützt.

Junge Talente und besondere Musik

Der Abend begann mit dem Kol Nidrei op. 47 von Max Bruch, gespielt von dem 18 Jahre alten Cellisten Manuel Lipstein und der ägyptisch-kanadischen Pianistin Myriam Farid, die auch Stipendiatin der Beethoven Academy und Johannes Wasmuth Gesellschaft ist. Igor Levit selbst spielte die Beethoven-Sonate Nr. 10, eine natürliche Wahl sei das gewesen, erzählte er. Denn diese Sonate war das erste Werk des Bonner Meisters, das er öffentlich gespielt hat.

Die Pianisten Elöd Ambrusz und Alexander Breitenbach beim Festkonzert am 6.12.19 in der Bad Godesberger Erlöserkirche. Dort wurde Igor Levit der 5. Internationale Beethovenpreis überreicht. (David Ertl/Beethoven Academy)Die Pianisten Elöd Ambrusz und Alexander Breitenbach bedanken sich für den Applaus. (David Ertl/Beethoven Academy)

Das Projekt EchoSpore der Kölner Musikhochschule hatte zwei hervorragende Interpreten zum Festkonzert entsandt. Alexander Breitenbach und Elöd Ambrusz studieren beide bei Prof. Florence Millet. Sie stellten in der Godesberger Erlöserkirche die "Variationen über ein Thema von Beethoven für zwei Klaviere zu vier Händen" op. 18 vor, die Ernst Bachrich 1938 in seiner Heimatstadt Wien komponiert hatte. Bachrich war einer der wichtigsten und begabtesten Schüler Arnold Schönbergs und arbeitete auch einige Jahre als Kapellmeister in Düsseldorf und Duisburg. Noch nach dem sogenannten Anschluss Österreichs an Nazi-Deutschland veröffentlichte der jüdische Komponist dieses Werk, die Beethoven-Variationen. Es war ein Akt des Widerstands, der die Musik überlieferte, dem Künstler aber nicht helfen konnte, denn er wurde 1942 im KZ Majdanek ermordet.

Das Notos Quartett beim Festkonzert zum 5. Internationalen Beethovenpreis in der Godesberger Erlöserkirche am 6.12.2019 (David Ertl/Beethoven Academy)Das Notos Quartett beim Festkonzert zum 5. Internationalen Beethovenpreis in der Godesberger Erlöserkirche am 6.12.2019 (David Ertl/Beethoven Academy)

Außerdem im Programm vertreten war das Notos Quartett mit dem einzigen Kammermusikwerk Gustav Mahlers, dem Klavierquartettsatz a-Moll. Die vielfach ausgezeichnete und Deutschlandfunk Kultur eng verbundene Formation war eingeladen worden, weil die vier Künstler durch die Rückgabe ihres Echo-Klassik-Preises im Jahr 2017 als Allererste gegen die Auszeichnung einiger Deutsch-Rapper protestiert hatten, die durch menschenunwürdige Texte aufgefallen waren. Ihnen folgten andere große Künstler wie Igor Levit oder dann Daniel Barenboim nach.

Das Nouruz Ensemble beim Festkonzert zum 5. Internationalen Beethovenpreis in der Godesberger Erlöserkirche am 6.12.2019 (Susanne Gundelach/Beethoven Academy)Das Nouruz Ensemble beim Festkonzert zum 5. Internationalen Beethovenpreis in der Godesberger Erlöserkirche am 6.12.2019 (Susanne Gundelach/Beethoven Academy)

Aus dem nahen Köln war das Nouruz-Ensemble nach Bonn gekommen, um ebenfalls einen musikalischen Beitrag im Festkonzert für Igor Levit zu leisten. Seit Anbeginn ist es den Veranstaltern des Internationalen Beethovenpreises ein Anliegen, auch auf die Situation im Nahen Osten kontinuierlich hinzuweisen. Schließlich war der aus Jarmuk in Damaskus geflohene Palästinenser Aeham Ahmad der allererste Preisträger. Diesmal erinnerten die fünf hervorragenden Musiker des Nouruz Ensembles an die kulturelle Vielfalt und den musikalischen Reichtum, der in einer Stadt wie Bagdad einst vorhanden war, bevor der Irak und die umliegenden Länder in Krieg und Gewaltherrschaft abgeglitten sind.

In einem längeren Gespräch vor der Preisübergabe äußerte sich Igor Levit ausführlich zu seinen inneren Beweggründen, aber auch zum Wesen der Musik, die an sich keine übergeordnete Bedeutung habe, sie sei - wie Ferrucio Busoni sagte - "tönende Luft". Das Gespräch können Sie hier hören:

Erlöserkirche Bonn Bad Godesberg
Aufzeichnung vom 6. Dezember 2019

Festkonzert zur Verleihung des 5. Internationalen Beethovenpreises für Menschenrechte

Max Bruch
Kol Nidrei op. 47

Manuel Lipstein, Violoncello
Myriam Farid, Klavier

Ludwig van Beethoven
Klaviersonate Nr. 10 G-Dur op. 14 Nr. 2

Igor Levit, Klavier

Gustav Mahler
Quartettsatz a-Moll

Notos Quartett:
Sindri Lederer, Violine
Andrea Burger, Viola
Philip Graham, Violoncello
Antonia Köster, Klavier

trad. irakisch
Khanabat

Nouruz Ensemble:
Bassem Hawar, Djoz (Kniegeige)
Kioomars Musayyebi, Santur
Rageed William, Naj
Hesen Kanjo, Qanun
Reza Samani, Perkussion 

Ernst Bachrich
Improvisation über eine amerikanische Volksweise op. 6 Nr. 3
Variationen über ein Thema von Beethoven für Zwei Klaviere zu vier Händen op. 18

Elöd Ambrusz, Klavier
Alexander Breitenbach, Klavier

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