Serie "Klassik drastisch"

    #41 Vsevolod Zaderatsky: "24 Präludien für Klavier"

    06:00 Minuten
    Devid Striesow und Axel Ranisch
    Devid Striesow und Axel Ranisch sind Klassik Drastisch. © Deutschlandradio / Dennis Pauls
    Von Devid Striesow und Axel Ranisch · 04.06.2022
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    Devid stellt Axel in dieser Folge einen Komponisten vor, dessen Werk immer noch weitgehend unbekannt ist, und das unter äußerst schwierigen Bedingungen im sowjetischen Gulag entstand.
    "Eine unglaubliche Biografie, ein unglaubliches Schaffen", so fasst Devid zusammen, worum es heute geht: Das Werk des Komponisten Vsevolod Zaderatsky, der 1891 in Riwne geboren wurde.
    Er starb 1953, im Todesjahr Stalins "und hat damit exakt dieselben Lebensdaten wie Prokofiew", fällt Axel auf. Mit Anfang 20, erzählt Devid, war Zaderatsky zwei Jahre lang Klavierlehrer des Thronnachfolgers der Zarenfamilie. "Dann später in der Oktoberrevolution war das natürlich eine ganz blöde Voraussetzung", so Devid. Zaderatsky, der selbst aus einer Adelsfamilie stammte, "wurde Offizier in der weißen Armee". Und stand damit, wie sich dann herausstellte, auf der falschen Seite der Geschichte.
    Während Prokofiew und Rachmaninow in die USA auswanderten, blieb Zaderatsky. Er wurde drei Mal verhaftet, hat zwei Jahre im Gulag gelebt. "Und hat in diesem Gulag auf aussortiertem Telegrafenpapier Noten gekritzelt", so Devid, "ohne ein Klavier zu haben, ohne einen Radiergummi zu haben, das Papier und den Bleistift von den Wärtern erbettelt, hat er 24 Präludien und Fugen komponiert, die so wunderschön, gegensätzlich, zerrissen, melodisch, verträumt sind, dass ich sie unbedingt vorstellen wollte". Zaderatsky habe sich auf Bach bezogen, auf das wohltemperierte Klavier.
    "Nicht eine seiner Kompositionen, nicht eine Note, wurde gedruckt oder aufgeführt zu seinen Lebzeiten", führt Devid aus. "Die erste Aufführung war an seinem Grab zu seiner Beerdigung". "Das war das, wovor Schostakowitsch und Prokofiew ein Leben lang Angst hatten", bringt es Axel auf den Punkt, "das hat der Mann erlebt". Und wahrscheinlich nicht nur einmal, hat ihm sein Klavierspiel das Leben gerettet. Trotz der eigentlich unmöglichen Bedingungen hat Zaderatsky ständig komponiert, zwei Opern, über 300 Lieder und Klavierstücke, von denen man weiß.
    Die Folge endet mit einem Aufruf: "Können wir mal bitte diese ganze Musik aufführen? Also an alle Intendanten und Opernhäuser da draußen: Wir wollen Musik von Zaderatsky hören!"