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Kompressor | Beitrag vom 01.06.2021

2-in-1-RollerskatesWie aus Sneakern Rollschuhe werden

Von Gesine Kühne

Füße einer Rollschuhläuferin beim Skaten auf Asphalt. Die grün-gelben Rollschuhe haben einen Retrolook und erinern optisch an Turnschuhe. (unsplash / Quinton Coetzee)
Manche Rollschuhe erinnern im Design an Turnschuhe. Und manche sind beides zugleich: Rollschuh und Sneaker. (unsplash / Quinton Coetzee)

Rollschuhlaufen liegt wieder im Trend. Heute muss man aber nicht mehr zwingend Wechselschuhe dabei haben. Der Franzose Florian Gravier hat eine Mechanik erfunden. Mit nur einem Klick wird so aus einem gewöhnlichen Turn- ein Rollschuh.

Sprachnachricht von Oumi Janta. Ja, genau die Oumi Janta, die sich mit ihrem Video auf dem Tempelhofer Feld in die Herzen der ganzen Welt getanzt hat. Und zwar auf Rollen. Sie ist nicht in Sachen Tanzen auf Rollschuhen eine gute Beraterin, sondern auch was die Ausstattung angeht:

"Hallöchen, ich find die Flaneurz richtig gut, sie sind ein bisschen teuer, ist eine Investition, ist bei Rollschuhen so. Aber du kannst mit denen laufen, also normal gehen und dann Rollschuh fahren. Ist also voll gut. Du musst aber ein bisschen üben, aus dem Schuh rauszukommen mit diesem Clip-Click-On."

Als ich zum ersten Mal sehe, dass es Rollschuhe gibt, die mit einem Klick zu Turnschuhen werden, verschenke ich meine Skates, die wie klassische weiße Schlittschuhe aussehen. Seitdem träume ich von diesen 2-in-1-Rollerskates.

Rollschuhplatten unter die Lieblingsturnschuhe

"Im Vergleich mit den USA oder anderen europäischen Ländern hatten wir die Idee unsere Sneaker mit den Rollschuhplatten zu verschrauben, um etwas Urbaneres zu haben", sagt Florian Gravier, seines Zeichens Turnschuhnerd. Er ist Erfinder und Geschäftsführer von Flaneurz.

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Seit 30 Jahren fährt Gravier Rollschuhe, als Jugendlicher schraubt er sich Rollschuhplatten an die Lieblingsturnschuhe. Neben Streetskating und Rollerdance benutzt er seine Skates mit zwei Achsen, auch Quad Skates genannt, um sich fortzubewegen. Dabei hat er immer ein Paar Schuhe im Gepäck. Als er einmal die Wechselschuhe vergisst, wird seine Idee geboren.

"Ich erinnere mich, wie ich in Socken in der Pariser U-Bahn war. Mich hat nämlich ein Sicherheitsmann erwischt und ich musste meine Skates ausziehen. Damals dachten alle, die skateten, wie cool es wäre, mit denselben Schuhen zu gehen und zu rollen."

1910: Mehr Skater als Radfahrer in Berlin

Ein kurzer Abstecher in die Rollschuhgeschichte. Laut Überlieferung befestigte erstmals ein Belgier um 1770 Rollen unter seinen Schlittschuhen, um das englische Königshaus zu beeindrucken. Diese Rollen waren aber hintereinander angeordnet, es waren quasi die ersten Inline-Skates.

Der zweispurige Rollschuh kam dann endlich im Jahr 1863, zusammengeschraubt von einem US-amerikanischen Mechaniker, Plimpton sein Name. Mit seiner Konstruktion wurde der erste Trend geboren. In den Metropolen der Welt entstanden Rollerskatebahnen. In Berlin zum Beispiel waren im Jahr 1910 mehr Menschen auf Skates unterwegs als auf dem Rad.

"Skates gibt es seit etwa 200, 300 Jahren", erzählt Florian Gravier. "Die ersten Skates konnte man von den Schuhen abnehmen."

Bis ins 20. Jahrhundert war der Rollschuh eine Platte mit Rollen zum Anschnallen. Erst dann verschraubte man diese mit dem Schuh. Das gab Stabilität. Mit der Erfindung der Kunststoffräder erreichte die Rollschuhverrücktheit in den 1970er-Jahren einen Höhepunkt.

Clipsysteme in Handarbeit

Florian Gravier hatte 2013 also diese Idee: Er möchte seine Lieblingssneaker, knöchelhohe Basketballboots, mit einer Rollschuhplatte so verbinden, dass man sie mit einem Klick, beziehungsweise mit einem kleinen Schlüssel, auch wieder lösen kann.

Ein Clipsystem, ungefähr wie es Rennradfahrerinnen und -fahrer von ihren Pedalen kennen. Drei Jahre dauert es von der ersten Skizze bis zum ersten verkauften Paar Rollschuhe. Erspartes, eine Crowdfunding-Kampagne und ein Ingenieurstudent ermöglichen ihm, seine Idee zu verwirklichen.

"Wir produzieren inzwischen 300 Paar im Monat", berichtet Gravier. "Wir machen aus einem existierenden Schuh einen Rollschuh – das ist also kein industrielles Produkt, viele Abläufe sind Handarbeit. Jeder Schuh ist anders, das heißt, wir müssen unser System immer anpassen.

Die Rollschuhmanufaktur des Franzosen Florian Gravier läuft. Er bekommt Bestellungen aus der ganzen Welt, um Adidas, Nike, Puma, Doc Martens und viele andere beliebte Schuhe zu Rollschuhen umzubauen. Rollschuhe, die dann eben mit einem Klick dann doch wieder die Lieblingsschuhe sind, mit denen man einfach in die U-Bahn gehen kann. 

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