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Fazit / Archiv | Beitrag vom 10.03.2018

"1968" am Theater AugsburgVom Mut, eine Utopie zu formulieren

Stephanie Metzger im Gespräch mit Eckhard Roelcke

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Marlene Hoffmann und Sebastian Baumgart in "1968: Geschichte kann man schon machen..." am Theater Augsburg  (Jan-Pieter Fuhr)
Marlene Hoffmann und Sebastian Baumgart in "1968: Geschichte kann man schon machen..." am Theater Augsburg (Jan-Pieter Fuhr)

50 Jahre nach der Studentenrevolte zeigt das Theater Augsburg die Uraufführung von "1968: Geschichte kann man schon machen, aber so wie jetzt ist’s halt scheiße". Autor und Regisseur Peer Ripberger entwickelt aus den sozialen Auf- und Umbrüchen eine positive Utopie für eine bessere Zukunft.

Der Text collagiere im Grunde Positionen aus den 68ern, so Kritikerin Stephanie Metzger über "1968: Geschichte kann man schon machen, aber so wie jetzt ist`s halt scheiße" am Theater Augsburg. Und es vermittele sich tatsächlich eine Aktualität: "Das sind alles Fragen, Argumente, intellektuelle Gedankengänge, die auf unsere heutige Zeit einfach passen."

Ein Abend, der sich selbst in Frage stellt

Das Ganze finde in einer Art Diskursivtheater statt, in einer Seminarsituation. Clever sei der Abend deswegen, weil er sich immer wieder unterbreche, sich sozusagen "als Probensituation dechiffriert", so Metzger. Dann aber gehe man so weit zu fragen: "Was kann Theater an Kritik äußern? Wir können hier nicht stehenbleiben!" Und es werde mit einer Leerstelle gespielt, mit dem Abbruch sogar.

Marlene Hoffmann, Roman Pertl, Sebastian Baumgart, Katharina Rehn und Patrick Rupar in "1968: Geschichte kann man schon machen...." im Theater Augsburg (Foto: Jan Pieter Fuhr)

Die Pause sei nämlich so gestaltet, dass die Schauspieler die Zuschauer auf die Straße lockten um dort zu protestieren und mit Megaphon Träume zu formulieren.

Eine positive Vision der Zukunft

Der zweite Teil des Abends bestehe darin, dass, nachdem die Zuschauer wieder im Theater seien, eine Vision, eine Utopie, ein anderes Zusammenleben bebildert werde. Das geschehe einerseits textlich mit aktuellen Theorietexten, die über Utopien nachdenken, und gleichzeitig werde eine Art Garten auf der Bühne gezeigt, in dem die Schauspieler anders miteinander umgehen.

"Sie sind Wesen zwischen Cyborgs und Menschen und gehen zärtlich und fürsorglich und auch sehr intim miteienander um. Das ist eine Vision, die ein Angebot ist für den Theaterzuschauer über ein anderes Leben, über Utopie nachzudenken", so Metzger weiter.

Der Abend werde dadurch sehr sinnlich. Die Darsteller seien stumm und agierten sehr körperlich. An diesem Punkt hätte sie sich noch mehr Ausgestaltung dieser Idee gewünscht, sagt Metzger zum Abschluss. Der Abend sei dennoch gelungen, denn der Regisseur habe den Mut gehabt eine Utopie zu formulieren, die nicht jedem gefallen habe - und sich damit angreifbar zu machen.
 

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