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Aktuell / Archiv | Beitrag vom 20.09.2016

144 Kilometer in der StundeDas schnellste Fahrrad der Welt

Andreas Buron im Gespräch mit Todd Reichert

Das Gewinnerfahrzeug "Eta". Damit fuhr der Kanadier Todd Reichert 144,18 km/h - nur mit Muskelkraft. (Aerovelo / Bas de Meijer)
Das Gewinnerfahrzeug "Eta". Damit fuhr der Kanadier Todd Reichert 144,18 km/h - nur mit Muskelkraft. (Aerovelo / Bas de Meijer)

144,17 km/h: Das ist der neue Rekord für ein muskelbetriebenes Fahrzeug. So schnell fuhr jetzt der Kanadier Todd Reichert bei der World Human Powered Speed Challenge in Nevada. Er spricht von einer tollen, aber auch klaustrophobischen Erfahrung.

Jedes Jahr werden in der Wüste von Nevada Geschwindigkeitsrekorde gebrochen. Teams aus aller Welt versuchen mit stromlinienförmig verkleideten Hightech-Rädern, die Grenzen für muskelbetriebene Fahrzeuge auszuloten. Die World Human Powered Speed Challenge findet jährlich im US-Bundesstaat Nevada am Battle Mountain statt. Die Fahrer nutzen dafür den Highway 305, dessen Oberfläche als die glatteste und ebenste der Welt gilt.

In diesem Jahr stellte der Kanadier Todd Reichert mit seinem Fahrzeug "Eta" einen neuen Rekord auf: Er erreichte am 18. September eine Geschwindigkeit von 144,17 km/h. Dabei hatte er erst vier Tage zuvor mit 142,04 km/h seinen eigenen Rekord von 2015 gebrochen. Damals fuhr Reichert mit 139,45 km/h.

Wir haben mit Todd Reichert über seinen Rekord gesprochen:

Deutschlandradio Kultur: Herr Reichert, wie fühlt es sich an, der schnellste Mann der Welt zu sein?

Todd Reichert: Es ist wirklich eine unglaubliche Erfahrung. Natürlich ist mir dieser Titel wichtig, aber noch viel wichtiger sind mir die vielen Dinge, die wir auf dem langen Weg zum Ziel gelernt haben.  Die Themen Design, Testfahrten und Training mussten wir immer wieder von ganzen neuen Blickwinkeln betrachten und angehen.  Tatsächlich mussten wir wirklich erst in die Rolle von Experten reinwachsen. Ich spreche ganz bewusst von "wir", weil dieser Rekord ohne die Experten in unserem Team zu Themen wie Technologie und Leichtathletik nicht möglich gewesen wäre.

Deutschlandradio Kultur: Sie haben bereits 2015 einen Weltrekord aufgestellt, jetzt haben Sie Ihren eigenen gebrochen. Ist das nicht irgendwie seltsam?

Todd Reichert: Für uns geht es nicht so sehr darum, Rekorde zu brechen, als viel mehr, etwas Unglaubliches zu schaffen, dass die Sicht der Leute darauf verändert, was alles möglich ist. Wir wissen, dass wir mit mehr Tests und mehr Durchläufen noch schneller sein könnten, und wir wollen noch höhere Geschwindigkeiten erreichen. 

Deutschlandradio Kultur: Beschreiben Sie mal Ihr Weltrekordfahrzeug: Wie sieht es aus? Wie navigieren Sie? Schon mal klaustrophobische Zustände darin gehabt?

Todd Reichert: Das Rad sieht aus wie ein weiß schimmernde Rakete, die die Straße runterbrettert. Der Fahrer ist komplett umschlossen von einer aerodynamischen Hülle, aus der die Räder nur acht Millimeter herausragen. Um die Aerodynamic zu verbessern, gibt es keine Haube, aus der der Fahrer herausgucken kann, stattdessen gibt es zwei kleine Kameras wie eine Art Periskop, und der Fahrer navigiert, indem er innen auf die Schirme starrt. Es ist wirklich extrem eng, um den Luftwiderstand noch zu minimieren. Und na klar, das kann schon klaustrophobisch sein, bis man ein wenig Erfahrung gesammelt hat und etwas entspannter ist.

Deutschlandradio Kultur: Warum machen Sie bei dem Battle Mountain Rennen mit?

Todd Reichert: Eigentlich ist unsere Motivation bei allem, was wir machen, das infrage zu stellen, was gemeinhin als unmöglich angesehen wird: nämlich, mehr mit weniger zu erreichen, und zwar mit Fahrzeugen, die effizienter sind als diejenigen, die wir im Alltag sehen. Wenn "Eta" mit einem kleinen Motor ausgestattet wäre, hätte es einen Brennstoffwirkungsgrad von über 9000 mpg, was hundert Mal effizienter wäre als ein heutiges effizientes Auto mit Verbrennungsmotor. Das ist für mich auch ein persönliches Projekt geworden, das Athletik, Aerodynamik und Kunst miteinander verbindet.

(abu)

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