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Kompressor | Beitrag vom 23.09.2019

130 Jahre NintendoVom Instant-Reis zu Super Mario

Christian Schiffer im Gespräch mit Timo Grampes

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Die Super-Mario-Figur von Nintendo steht mit ausgebreiteten Armen auf einem Tisch. (unsplash / Claudio Luiz Castro)
Wohl eine ganze Generation ist in den 80er- und 90er-Jahren mit Super Mario groß geworden. (unsplash / Claudio Luiz Castro)

Instant-Reis, Stundenhotels und Saugroboter – die ersten Jahrzehnte von Nintendo wirken heute auch etwas skurril. Wie das japanische Unternehmen dennoch zu einem Videospielgiganten geworden ist, erläutert Computerspiel-Experte Christian Schiffer.

1889 gelang dem deutschen Geografen Hans Meyer als erstem Menschen überhaupt die Besteigung des Kilimandscharo, in Paris – rechtzeitig zur Weltausstellung – wurde die letzte Niete des Eiffelturms gesetzt und in Kyoto gründete Fusajiro Yamauchi die Firma Nintendo.

Am heutigen Montag feiert das Elternhaus von Super Mario, Zelda und Donkey Kong seinen 130. Geburtstag. So stand Nintendo damals für Himmel, Tempel und Verantwortlichkeit, sagt Computerspiel-Experte Christian Schiffer. Übersetzt bedeute der Unternehmensname Nin-ten-do "Lege das Glück in die Hände des Himmels".

Nintendo startet mit Spielkarten aus Baumrinde

Angefangen habe die Firma wie einst das finnische Telekommunikationsunternehmen Nokia, erklärt Schiffer. Nokia habe zunächst Gummistiefel und Autoreifen gefertigt. Nintendo habe wiederum in den ersten Jahren japanische Spielkarten aus Baumrinde produziert.

Diese Spielkarten seien vor allem bei der japanischen Mafia sehr beliebt gewesen und so sei das Unternehmen peu à peu gewachsen. Schon damals habe sich gezeigt, dass Nintendo sehr experimentierfreudig gewesen sei und die Firma habe versucht, in vielen Bereichen Fuß zu fassen, sagt Schiffer.

Allerdings gab es auch Misserfolge: Die Herstellung von Instant-Reis oder die Taxi-Beförderung scheiterten. Auch der Versuch mit Stundenhotels sei richtig gefloppt. Das sei auch deshalb erstaunlich, meint Schiffer, weil Nintendo heute als "unglaublich konservatives Unternehmen" gelte.

Auf der Internationale Funkausstellung IFA in Berlin im Sommer 1993 spielt ein Junge mit einem Game Boy am Stand von Nintendo. (imago/Detlev Konnerth)Auf der Internationale Funkausstellung IFA in Berlin im Sommer 1993 spielt ein Junge mit einem Game Boy am Stand von Nintendo. (imago/Detlev Konnerth)
Ein großer Erfolg sei wiederum 1969 der Love Tester gewesen. Mit dem Gerät sollte ermittelt werden, welche Menschen zueinander passen. Zehn Jahre später folgt der Saugroboter, der mit einer Fernbedienung gesteuert werden konnte. "Das ist aber alles noch nicht das, womit Nintendo bekannt und berühmt geworden ist", sagt Schiffer.

Mitte der 70er-Jahre sei Nintendo schließlich in den Markt der elektronischen Spielgeräte eingestiegen und es folgte Mitte und Ende der 80er-Jahre der Durchbruch mit Super Nintendo (NES) und dem Game Boy.

Aus den "Trümmern der zerstörten Videospielindustrie"

Vom großen Videospielecrash 1983 profitierte dann vor allem Nintendo, so Schiffer. Es habe zu viele Spielkonsolen und zu viele Spieler gegeben und Unternehmen wie die US-Firma Atari seien zusammengebrochen. Aus den "Trümmern dieser zerstörten Videospielindustrie" sei Nintendo hervorgegangen, sagt der Experte.

Seit dieser Zeit sei auch die "Blue Ocean Strategie" für das Unternehmen bezeichnend, mit der die japanische Firma versuche, immer wieder neue Märkte und Zielgruppen zu erschließen, meint Schiffer. Mit der Spielekonsole Wii sei das z.B. gelungen. So seien jüngere Frauen und sogenannte "Silver Gamer" – also ältere Spielerinnen und Spieler – damit erfolgreich angesprochen worden.

(jde)

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