Samstag, 19.06.2021
 

Interview / Archiv | Beitrag vom 19.01.2019

100 Jahre Frauenwahlrecht"Die eine oder andere Quote muss noch nachhelfen"

Ursula Münch im Gespräch mit Shanli Anwar

Eine Besucherin der Ausstellung "Damenwahl" steht im Historischen Museum Frankfurt/Main vor einem Plakat, auf dem Frauen aufgefordert werden, von ihrem neu gewonnenen Wahlrecht Gebrauch zu machen. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa | Verwendung weltweit (Frank Rumpenhorst / dpa )
Schon vor 100 Jahren mussten Wählerinnen aufgefordert werden abzustimmen (Frank Rumpenhorst / dpa )

Seit 100 Jahren dürfen Frauen wählen. Allerdings gibt es noch einiges zu tun, denn nicht einmal jedes dritte Bundestagsmitglied ist weiblich. Doch besonders wichtig sei es, die vielen Nichtwähler zu motivieren, sagt Politikwissenschaftlerin Ursula Münch.

Dass Frauen vor 100 Jahren das Recht bekamen zu wählen, nennt die Direktorin der Akademie für Politische Bildung, Ursula Münch, "einen Schub für die Gleichberechtigung". Der hätte Frauen zwar nicht  von null auf 100 befördert und es habe auch viele Rückschritte gegeben, aber: "Der Fortschritt ist langsam spürbar".

Probleme mit der politischen Repräsentation

Doch dass weniger als jedes dritte Bundestagsmitglied eine Frau ist, sei problematisch. "Die Repräsentation ist unzureichend", sagt Münch. Auch Frauen tragen zu diesem Ungleichgewicht bei. Denn die wählen nicht automatisch Frauen, sondern entschieden nach Parteipräferenz und in vielen Parteien sowie auf deren Listen gebe es mehr Männer als Frauen. "Da wird die ein oder andere Quote nachhelfen müssen."

Ursula Münch hat schulterlange blonde Haare und schaut freundlich in die Kamera (Jürgen Heinrich/imago)Lehrt an der Akademie für Politische Bildung in Tutzing: Ursula Münch (Jürgen Heinrich/imago)

"Ein gewisses Problem mit Blick auf die politische Repräsentation" gebe es unterdessen weiterhin im deutschen Wahlrecht. Denn während in Deutschland etwa zehn Millionen Ausländer leben und viele von ihnen Steuern zahlen, dürfen sie bei überregionalen Wahlen nicht abstimmen. "Wir sind da in der Bundesrepublik relativ restriktiv", sagt Münch. Der Weg der Staatsrechtler sei nun mal: "Wer schon lange hier lebt als Ausländer, hat die Möglichkeit dazu, relativ leicht die deutsche Staatsbürgerschaft zu erwerben."

Im Übrigen bestehe die Kunst  darin, "diejenigen, die schon wahlberechtigt sind, zu motivieren, dieses Wahlrecht auszuüben. Das erscheint mir wichtiger, als das Wahlrecht auszuweiten."

(nsc)

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