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Interview | Beitrag vom 07.02.2018

Umweltschutz"Den Verbrauch von unnützem Kunststoff eindämmen"

Malte Biss im Gespräch mit Stephan Karkowsky

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Ein Müllsammler fischt Plastiktüten aus der Bucht von Manila. Anlass war der 5. internationale plastikfreie Tag. (EPA /  Ritchie B. Tongo)
Ein Müllsammler fischt Plastiktüten aus der Bucht von Manila (EPA / Ritchie B. Tongo)

Der Plastikmüll ist ein riesiges Umweltproblem. Malte Biss arbeitet daran, ein Siegel für kunststofffreie Produkte zu etablieren. Allein im letzten Jahr seien weltweit 420 Millionen Tonnen Kunststoff produziert worden.

Die Flut an Plastikmüll ist ein drängendes Problem. Allein in Europa entstehen nach Angaben der EU-Kommission jedes Jahr rund 26 Millionen Tonnen Plastikmüll.

In Deutschland fielen laut Umweltbundesamt im Jahr 2015 knapp sechs Millionen Tonnen Kunststoffabfälle an. Die EU hat kürzlich eine Strategie vorgestellt, wie mit Plastik künftig umgegangen werden soll. Vor allem recycelbar sollen Kunststoffe sein.

Ein Baby trägt eine Windel. (imago/Westend61)Ein Baby trägt eine Windel. (imago/Westend61)

Malte Biss reicht das nicht. Denn das bedeutet auch, dass sie einfach verbrannt werden könnten, um Energie zu gewinnen. Biss, ein ehemaliger Journalist, hat sich dem Umweltschutz verschrieben und unter dem Namen "Flustix" ein Siegel für plastikfreie Produkte entwickelt, damit Verbraucher künftig unnötigen Kunststoffen aus dem Weg gehen können. Dieses Siegel bietet er seit dem 1. Dezember 2017 an.

Kunststofffrei leben ist schwer

Darum geht es Biss: den "Verbrauch von unnützem Kunststoff eindämmen". Keinesfalls wolle sein Unternehmen Kunststoffe stigmatisieren, sagte er im Deutschlandfunk Kultur. Denn beispielsweise in der Medizin oder im Transport seien Kunststoffe sehr sinnvoll.

Doch allein im letzten Jahr seien weltweit 420 Millionen Tonnen Kunststoff neu hergestellt worden, kritisierte er. "Dabei gibt es schon so viele Kunststoffe auf diesem Planeten, dass man das eigentlich gar nicht mehr machen müsste." Allerdings: Man kann damit noch Geld verdienen. Also wird produziert.

Eine Einweg-Windel, sagte Biss, brauche rund 450 Jahre, bis sie sich in ihre Einzelteile zerlegt hat. Und dann existiere sie als Mikroplastik weiter, das in die Nahrungskette gelangt.

Eine Plastiktüte schwimmt im Meer. (epa)Plastikmüll im Meer (epa)

Kunststoff ist inzwischen überall, hat Biss herausgefunden. Alle Lebensbereiche seien damit kontaminiert. Es sei ein langer Weg zu einem kunststofffreien Leben. (ahe)

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