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Buchkritik | Beitrag vom 12.05.2017

Ulrich Bahnsen: "Das Leben lesen"Das ganze Leben in einem Tropfen Blut? Fast!

Von Michael Lange

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Ulrich Bahnsen feiert in seinem neuen Buch Forschung und Wissenschaft (picture alliance / dpa / Jan Woitas / Droemer Knaur)
Ulrich Bahnsen feiert in seinem neuen Buch Forschung und Wissenschaft (picture alliance / dpa / Jan Woitas / Droemer Knaur)

Ein einziger kleiner Tropfen Blut: Der Wissenschaftsjournalist Ulrich Bahnsen zeigt uns in seinem neuen Buch, welche Informationen wir schon jetzt daraus gewinnen können. Der Forschung, so scheint es, sind keine Grenzen gesetzt.

Blutgruppe, Zucker-, Cholesterin- oder Leberwerte sind nur der Anfang. In den letzten Jahren haben Labormediziner gelernt, immer mehr Informationen aus einem einzigen Tropfen Blut herauszulesen. Erbkrankheiten, Krebserkrankungen und sogar Alterungsprozesse können sie mit nie gekannter Genauigkeit im Blut messen und manchmal sogar Vorhersagen treffen.

Geradezu euphorisch berichtet der Wissenschaftsjournalist Ulrich Bahnsen über die neuesten Entwicklungen in den Labors. Er hat mit führenden Wissenschaftlern auf der ganzen Welt gesprochen und beschreibt, kenntnisreich und detailliert, neueste Forschungsergebnisse und ihre Konsequenzen. Immer wieder verkündet er eine "Revolution", die unser Leben verändern wird. Seiner Ansicht nach waren die großen Versprechungen mancher Erbgutforscher nach der Entschlüsselung des menschlichen Genoms keinesfalls übertrieben.

So erlauben marktreife Screening-Verfahren die Erkennung von Erbkrankheiten schon in den ersten Schwangerschaftswochen. Dabei ist die früher übliche, riskante Fruchtwasseranalyse nicht mehr notwendig. Es reicht etwas Blut der Mutter. Darin lassen sich Zellen des heranwachsenden Embryos aufspüren und mit nie gekannter Genauigkeit analysieren.

Kleinste DNA-Schnipsel liefern Hinweise auf Tumorzellen

Auch Krebserkrankungen können Ärzte mit neuen Methoden vor dem Auftreten erster Symptome im Blut der Patienten erkennen. Kleinste Schnipsel des Erbmoleküls DNA liefern Hinweise auf wachsende Tumorzellen. Für die Diagnose, die Früherkennung, aber auch für eine verbesserte, zielgenaue Therapie ergeben sich neue Möglichkeiten.

Enthusiastisch berichtet Bahnsen, wie mittlerweile das Altern selbst in den Fokus molekularbiologischer Forschung gerät. Eine epigenetische Altersuhr im Blut bestimmt exakt das biologische Alter eines Menschen. Genauer als bei früheren Verfahren lässt sich damit die noch zu erwartende Lebenszeit statistisch berechnen.

Ein Zurückdrehen dieser Uhr, eine Art Jungbrunnen, ist keinesfalls eine Illusion. In Tierversuchen sind Wissenschaftler längst dabei, das Altern zu beeinflussen. Ihr Ziel ist es nicht nur die Lebensdauer zu verlängern, indem sie den Tod hinauszögern, sondern sie wollen zukünftigen Menschen mehr gesunde Jahre schenken.

Von "Decodieren", "Dechiffrieren" und "Entschlüsseln" ist in diesem Buch mehrfach die Rede, als müsste man nur einen Schlüssel umdrehen, und der Geheimnisträger "Blut" gebe alle wichtigen Informationen preis. Zum Glück belässt Ulrich Bahnsen es nicht bei dieser Begeisterung, sondern er wirft auch Fragen auf, wie wir mit den neuen Informationen umgehen sollen.

Dabei bleibt allerdings kein Zweifel: Der Autor selbst sieht den neuen Entwicklungen der Medizin erwartungsfroh entgegen.

Ulrich Bahnsen: Das Leben lesen. Was das Blut über unsere Zukunft verrät
Droemer, München 2017
272 Seiten, 19,99 Euro

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