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Montag, 11.12.2017

Literatur / Archiv | Beitrag vom 09.04.2017

Über den Schriftsteller Johannes BobrowskiDer sarmatische Traum

Von Helmut Böttiger

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Blick über die Landschaft am ehemaligen Friedrichsgraben, heute Polesskij Kanal, bei Polessk, früher Labiau, am 02.09.2002. Pollesk liegt heute im zu Russland gehörenden Kaliningrader Gebiet - im früheren Ostpreußen. (picture alliance / dpa / Tom Schultze / Transit)
Landschaft im früheren Ostpreußen, auch Sarmatien genannt: die Region um Polessk liegt heute im zu Russland gehörenden Kaliningrader Gebiet. (picture alliance / dpa / Tom Schultze / Transit)

Anfang der 60er-Jahre pilgerten junge Wilde aus der Gruppe 47 zum Schriftsteller Johannes Bobrowski - vor 100 Jahren in Tilsit geboren - in die DDR. Die Landschaften seiner Heimat - vom früheren Ostpreußen bis zum Baltikum - waren für Bobrowski ein Sehnsuchtsraum, für den er das alte Wort Sarmatien benutzte.

Für Johannes Bobrowski, der vor 100 Jahren in Tilsit geboren wurde, waren die weiten östlichen Landschaften seiner Heimat, vom früheren Ostpreußen über das Memelland bis zu den baltischen Regionen, ein Sehnsuchtsraum. Bobrowski, der bis zu seinem frühen Tod im Jahr 1965 eine solitäre Existenz in der DDR führte, benutzte dafür das alte Wort Sarmatien. Dieses Vielvölkergebiet - "und mitten unter allen die Judenheit" - war gleichzeitig erfüllt von den historischen Verbrechen der Deutschen und den Erinnerungen an die eigene Kindheit und Jugend.

Und obwohl Bobrowski im Ostberliner Stadtteil Friedrichshagen, im Windschatten des Müggelsees, von den zeitgenössischen literarischen Strömungen fast abgeschottet schien, wirken seine Gedichte und Erzählungen auch heute noch zeitlos und kühn mit ihrer verblüffenden Mischung aus wuchtiger Archaik und einer bis ins Äußerste getriebenen Moderne. Bobrowski gab Klopstock als seinen Lehrmeister an, und er selbst spielte auf der Orgel am liebsten Pachelbel, Buxtehude und Bach - doch die jungen Wilden aus der Gruppe 47 pilgerten Anfang der 60er-Jahre zu ihm und wollten etwas von seiner spröden, dunklen, zwischen Hermetik und suggestivem Traum schwingenden Lyrik lernen.

Das Manuskript zur Sendung

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