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Rang I | Beitrag vom 13.01.2018

Theaterfestival in ChilePolitisches Theater für junge Regisseure

Von Marsida Lluca

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Sebastián Squella (Deutschlandfunk Kultur / Marsida Lluca)
Der chilenische Regisseur Sebastián Squella (Deutschlandfunk Kultur / Marsida Lluca)

Das Santiago a Mil in Chile gehört zu den wichtigsten Theaterfestivals in Südamerika. Die Regisseure Thomas Ostermeier und Sebastian Baumgarten sind Teil dieser besonderen Kooperation zwischen Chile und Deutschland.

Der junge, chilenische Regisseur Sebastián Squella präsentiert sein Projekt – ein Theaterstück über die Krise der Demokratie in Chile, welches er Mitte des Jahres in Santiago de Chile zum ersten Mal aufführen wird. Hintergrund ist die niedrige Wahlbeteiligung bei den vergangenen chilenischen Kommunal- und Präsidentschaftswahlen, wie er erklärt.

"Es geht um die Frage, was es heißt, repräsentiert zu werden und wer uns hier repräsentiert. Das ist vor allem deshalb interessant, weil auch das Theater an sich eine Kunstform der Repräsentation ist, die es zu hinterfragen gilt."

Sebastián Quella ist Teilnehmer eines einzigartigen Theaterregie-Projekts. Der 31-jährige hat Schauspiel studiert, denn in Chile wird kein Studium der Theaterregie angeboten. Zusammen mit mittlerweile elf weiteren, jungen Regisseuren konnte er in verschiedenen Workshops seine Ideen besprechen und sich Input aus Masterkursen bekannter Künstler holen.

Das deutsche Theater dient als Referenz

Seit anderthalb Jahren existiert dieses Ausbildungsprojekt, konzipiert von der Stiftung "Teatro a Mil", die auch das Festival Santiago a Mil ausrichtet, zusammen mit dem Goethe-Institut Chile. Verschiedene Partner auf chilenischer und deutscher Seite unterstützen das Projekt, sagt Carmen Romero, die Direktorin der Stiftung "Teatro a Mil". 

"Das deutsche Theater dient jungen Chilenen als Referenz, weil es auf beiden Seiten ein Interesse daran gibt, sich dem politischen Theater zuzuwenden. Daher wollten wir diese Verbindung vertiefen und hoffen darauf, dass dieser Austausch in Zukunft noch stärker werden wird."

Zu den Highlights im vergangenen Jahr gehörte neben Workshops mit Thomas Ostermeier, Sebastian Baumgarten oder dem Berliner Kollektiv She She Pop ein mehrwöchiger Aufenthalt in Deutschland, bei dem verschiedene Theaterhäuser und Festivals kennen gelernt wurden. Zum Beispiel das HAU – Hebbel am Ufer – oder das Theater der Welt. In der Theaterakademie August Everding saß die junge Gruppe aus Chile auch mit in den Seminaren. Christoph Bertrams, Leiter des Goetheinstituts in Chile, freut sich über die positive Reaktion aus Deutschland.

"Wir wissen aus Reaktion der deutschen Partner, dass die absolut interessiert waren an dieser Gruppe, da wäre eine ganz andere Denkart, die sie sehr inspirieren würde. Sie haben auch sofort zugesagt, obwohl die Partner auch finanziell beteiligt sind. Sie haben gesagt, die finden wir so interessant, wir machen auf jeden Fall weiter. Und das ist darauf zurückzuführen, dass sie eine ganz andere Sichtweise mitbringen, die sehr theateraffin ist." 

"Es geht darum, das Theater zu den Leuten zu bringen"

Bei diesem Workshop während des Festivals "Santiago a Mil", geleitet vom deutschen Regisseur Antú Romero Nunes, der selbst chilenische Wurzeln hat und beim Festival mit seinem Stück "Odyssee" vertreten ist, werden die einzelnen Projekte der Teilnehmer nacheinander besprochen. Es sei bemerkenswert, wie partizipativ die Projekte seien, bemerkt Antu Romero Nunes. 

"Sie fangen an, also wirklich Räume zu erobern, es geht immer darum, das Theater zu den Leuten zu bringen. Und das ist wirklich schön, das sehe ich überall in Chile und auch bei diesem Festival Santiago a Mil. Es geht immer darum, mit dem Theater etwas anzustellen, und nicht einfach nur darum, Theater zu machen, wie man es kennt oder Film nachzumachen oder irgendwas. Es gibt keinen, der auf der Bühne einfach nur ein Stück machen will." 

Sebastián Squella, der bald aus dem Programm ausscheiden wird, bewertet die Teilnahme an diesem Projekt als bereichernd.

"Dieses Projekt gibt einem die Möglichkeit, das zu vertiefen, was man bisher gemacht hat. Ich habe vorher schon Regie geführt, aber sehr instinktiv, ohne viel zu wissen. Hier kann ich jetzt neue Stücke sehen, sie analysieren. dadurch habe ich auch einen völlig neuen Blick aufs Theater bekommen." 

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