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Donnerstag, 14.12.2017

Literatur / Archiv | Beitrag vom 23.04.2017

Steffen Popp, Christine Lavant, Peter RühmkorfNeue Lyrik im Gespräch

Moderation: Barbara Wahlster

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Der Schriftsteller Steffen Popp (picture alliance / Markus Scholz/dpa)
Der Schriftsteller Steffen Popp (picture alliance / Markus Scholz/dpa)

Die Veranstaltung "Lyrik lesen - Gedichte im Gespräch" ist eine Kooperation des Deutschen Literaturarchivs Marbach mit Deutschlandradio Kultur. In der Gesprächsrunde am 5. April ging es um Neuerscheinungen von Steffen Popp, Christine Lavant und Peter Rühmkorf.

Drei Mal im Jahr treffen sich Literaturkritiker in Marbach und tauschen sich über neue Gedichtbände aus. Und sie geben eigene Lektüreempfehlungen.

Cover von "Gedichte aus dem Nachlass" von Christine Lavant (Wallstein Verlag)Cover von "Gedichte aus dem Nachlass" von Christine Lavant (Wallstein Verlag)Es diskutieren: Gregor Dotzauer (Der Tagesspiegel), Insa Wilke (freie Kritikerin) und Jan Bürger (Deutsches Literaturarchiv Marbach).

Am 5. April standen Neuerscheinungen von Christine Lavant "Gedichte aus dem Nachlass" (Wallstein Verlag), von Steffen Popp "18" (Verlag kookbooks), der für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert war und Peter Rühmkorfs "Sämtliche Gedichte 1956–2008" (Rowohlt Verlag) auf dem Programm.  
Der dritte Band der vierbändigen Werkausgabe der Kärntner Dichterin Christine Lavant (1915-1973) enthält eine Auswahl aus den nachgelassenen Gedichten aus allen Schaffensperioden, darunter auch das lange Zeit verschollene, erst kürzlich wieder entdeckte Erstlingswerk "Die Nacht an den Tag", das 1948 zwar gesetzt, aber nie gedruckt wurde. Drei Viertel der hier versammelten Gedichte sind Erstveröffentlichungen.

Cover: "Sämtliche Gedichte 1956-2008" von Peter Rühmkorf (Rowohlt)Cover: "Sämtliche Gedichte 1956-2008" von Peter Rühmkorf (Rowohlt)"Die Welt in ihrer Komplexität und Fülle ist aus nur 118 chemischen Elementen aufgebaut. Steffen Popp hat seinem Erstaunen über diesen Kontrast, über das Viele, das aus so wenigem entsteht, in 106 Gedichten leichten und schwungvollen Ausdruck verliehen", so begründete die Jury des Leipziger Buchpreises ihre Nominierung. Steffen Popp, geboren 1978 in Greifswald, spielt mit dem Periodensystem der Elemente und versucht, diese poetisch zu fassen – von Salz bis Esprit, von Monster bis Flaum, von Parallelerde bis Zeug.

Ein Muss für alle Lyrik-Leser sind "Sämtliche Gedichte 1956-2008" von Peter Rühmkorf (1929-2008): "Nichts Höheres möchte der Reim, als freudig mit den Ohren gelöffelt und der Seele als ein Lockruf eingeflüstert werden. Und nichts Edleres hat er im Sinn, als den Zusammenklang des tragisch Getrennten, fatal Auseinandergerissenen, umständehalber Zerteilten wenigstens für einige Atemzüge lang als möglich erscheinen zu lassen."

Die drei diskutierten Bände:

Christine Lavant: Gedichte aus dem Nachlaß
Herausgegeben von Doris Moser und Fabjan Hafner
Wallstein Verlag, Göttingen 2017
654 Seiten, 38,80 Euro

"Ihr Eigensinn und ihre Singularität stellt sie in eine Reihe mit Sappho, Günderode, Droste und Lasker-Schüler."

Steffen Popp: 118. Gedichte
Kookbooks, Berlin 2017
144 Seiten, 19,90 Euro

"Ein Versuch des radikalisierten poetischen Sprechens noch vor dem Denken."

Peter Rühmkorf: Sämtliche Gedichte 1956 - 2008
Rowohlt Verlag, Reinbek 2016
624 Seiten, 39,95 Euro

"Die Ironie ist bei ihm ja ganz oft ein Instrument, um fast schon Sentimentalität wieder zuzulassen, fast ein pathetisches Sprechen wieder möglich machen."

Der Autor Peter Rühmkorf (1929-2008), aufgenommen während einer Pressekonferenz in Hamburg. (picture-alliance / dpa / Maurizio Gambarini)Der Schriftsteller Peter Rühmkorf (1929-2008). (picture-alliance / dpa / Maurizio Gambarini)


Die Kritiker-Empfehlungen

Von Jan Bürger:
Nico Bleutge: nachts leuchten die schiffe. gedichte
C.H. Beck Verlag, München 2017
87 Seiten, 16,95 Euro

"Diese Gedichte bestechen durch ihre Bildhaftigkeit, durch die Vielfalt der Stilebenen, der Rhythmen, sie sind oft sinnlich, auch wagemutig und zugleich ist Bleutge das Gegenteil eines naiven Dichters."

Von Gregor Dotzauer:
Ron Padget: Grosse Feuerbälle. Gedichte, Prosa, Bilder
Zweisprachige Ausgabe. Vom Autor für diese Ausgabe zusammengestellt, aus dem Amerikanischen von Rolf Eckart John, Ralf-Rainer Rygulla et al.
Rowohlt Verlag, Reinbek 1973, z.Zt. vergriffen

"Zuletzt konnte man Padgets Gedichten in Jim Jarmushs wunderbarem Film 'Paterson' begegnen: wunderliche, einfache, bis an Nonsense reichende und verzaubernde Gedichte."

Von Insa Wilke:
Levin Westermann: 3511 Zwetajewa
Matthes & Seitz Berlin, Berlin 2017
91 Seiten, 18,00 Euro 

"Eine Spurensuche nach der berühmten russischen Dichterin – ein Trauergedicht voller Wucht und Wut, geprägt von Innigkeit und Distanz."

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