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Samstag, 18.11.2017

Im Gespräch | Beitrag vom 17.07.2017

SPD-Politiker Raed SalehVon der Fritteuse an die Fraktionsspitze

Moderation: Susanne Führer

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Der Berliner SPD-Fraktionsvorsitzende Raed Saleh steht am 27.08.2014 in Berlin. (picture alliance / dpa / Bernd Von Jutrczenka)
Der Berliner SPD-Fraktionsvorsitzende Raed Saleh am 27.08.2014 in Berlin. (picture alliance / dpa / Bernd Von Jutrczenka)

Ein "braver Muslim", der deutsche Schlager liebt und dem Ordnung, Pünktlichkeit, Disziplin "geradezu heilig" sind: Das ist nach eigenem Bekunden der Fraktionsvorsitzende der Berliner SPD, Raed Saleh.

Eigentlich sprach alles gegen ein erfolgreiches Leben in Deutschland: Raed Saleh wuchs als Kind palästinensischer Einwanderer in einem sozialen Brennpunkt Berlins auf, lebte mit acht Geschwistern und den Eltern auf 84 Quadratmetern in einem Plattenbau - und ist heute Vorsitzender der Berliner SPD-Fraktion.

Deutschland ist seine Heimat – und das hat viel mit seinen ebenso liebe- wie anspruchsvollen Eltern zu tun:

"Die haben schon sehr stark darauf geachtet, dass wir uns schnell in Deutschland heimisch fühlen, dass wir erkennen: Deutschland ist unser neues Zuhause, d.h. der Ort, wo wir quasi auf Dauer sein werden, das war von Anfang an klar."

"Ordnung, Pünktlichkeit, Disziplin sind heilig"

Zum Integrationswillen kam bei Raed Saleh großer Ehrgeiz: Vom Schülerjob an der Fritteuse einer Fast-Food-Kette arbeitete er sich hoch zum Filialleiter und dann zum Manager der ganzen Firmengruppe. In seinem Heimatbezirk Spandau holte er bei den letzten Wahlen als Direktkandidat deutlich mehr Stimmen als seine Partei. "Ordnung, Pünktlichkeit, Disziplin sind mir geradezu heilig", sagt er, der sich als "braven Muslim" bezeichnet:

"Ich habe einen sehr säkularen Lebensstil und ich bin auch überzeugt davon, dass es richtig ist, Staat und Religion zu trennen. Ich finde Religion ist Privatsache, aber man muss die Menschen in diesem Land mitnehmen mit der Religion, die sie haben und auch so akzeptieren und tolerieren."

Mit seiner Familie feiert er Zuckerfest, Opferfest und Weihnachten. Deutschland sei ein "Musterbeispiel für Demokratie und Rechtsstaat". Raed Saleh träumt von einer "neuen deutschen Leitkultur". Und die bedeutet für ihn mehr als bloßen Verfassungspatriotismus:

"Ein Grundgesetz sind kalte Buchstaben. Man muss in der Leitkultur im Grunde genommen den Alltag formulieren".

Was bedeutet: "Ein Miteinander in klaren Regeln. Keine bunte Multikulti-Traumwelt, wie sie manch einer Grüner sich vorstellt, sondern ein Miteinander mit fairen Chancen für alle in klaren Regeln".

Am 18. Juli erscheint sein Buch zum Thema: "Ich deutsch. Die neue Leitkultur".

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